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Werke von Karl May

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List und Gegenlist 

die Thür, gerade als der Schreiber an derselben vorüberhuschen wollte.
 
"Master Haller, wollt Ihr nicht einmal hereinkommen?" fragte er ihn.
 
Der Angeredete hielt das Papier noch in der Hand. Er steckte es schnell ein und folgte der an ihn ergangenen Aufforderung mit sichtlicher Verlegenheit. Was aber machte er erst für ein Gesicht, als er seinen Genossen an den Stuhl gebunden sah! Doch nahm er sich schnell zusammen, und es gelang ihm wirklich, eine ziemlich unbefangene Miene zu zeigen.
 
"Was für ein Papier habt Ihr soeben eingesteckt?" fragte ihn Old Firehand.
 
"Eine alte Tüte," antwortete der Tramp.
 
"So? Zeigt sie doch einmal her!"
 
Der Schreiber warf ihm einen erstaunten Blick zu und antwortete: "Wie kommt Ihr dazu, mir einen so unbegreiflichen Befehl erteilen zu wollen? Wer seid Ihr denn? Ich kenne Euch nicht. Sind meine Taschen etwa Euer Eigentum?"
 
"Ihr kennt ihn dennoch," fiel der Ingenieur ein. "Es ist Old Firehand."
 
"Old Fi -   -   -  !" schrie der Tramp förmlich auf. Die zwei letzten Silben ließ der Schreck nicht aus seinem Munde. Seine Augen waren weit und starr auf den Genannten gerichtet.
 
"Ja, ich bin es," bestätigte dieser; "hier habt Ihr mich wohl nicht vermutet! Und was den Inhalt deiner Taschen betrifft, so habe ich auf ihn wohl mehr Recht als du selbst. Zeig einmal her!"
 
Old Firehand nahm dem Tramp, ohne daß dieser zu widerstreben wagte, zuerst das Messer ab; dann holte er einen geladenen Revolver, welchen er zu sich steckte, aus der Tasche, und nun zog er ihm auch den Zettel aus derselben.
 
"Sir," fragte der Schreiber jetzt in verbissenem Tone, "mit welchen Rechte thut Ihr das?"
 
"Zunächst mit dem Rechte des Stärkern und des Ehrlichen, und sodann hat Mr. Charoy, welcher die Polizeigewalt dieses Ortes vertritt, mir den Auftrag erteilt, in dieser Angelegenheit seine Stelle zu vertreten."
 
"In welcher Angelegenheit? Was ich bei mir trage, ist mein Eigentum. Ich habe nichts Ungesetzliches gethan und muß unbedingt wissen, aus welchem Grunde Ihr mich wie einen Dieb behandelt!"
 
"Dieb? Pshaw! Wohl Euch, wenn es nur das wäre. Es handelt sich nicht nur um einen Diebstahl, sondern erstens um einen Mord und
 
 
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