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Werke von Karl May

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List und Gegenlist 

Gefährten. Nicht lange, so hörte man das leise Knirschen des Bodens, auf welchen ein Fuß getreten hatte.
 
"Faller!" flüsterte der Schreiber vom Fenster aus hinab.
 
"Ja," antwortete der Genannte.
 
"Wo stehst du? Ich sehe dich nicht."
 
"Ganz nahe an der Wand, gerade unter deinem Fenster."
 
"Ist alles dunkel im Hause?"
 
"Alles. Ich habe mich zweimal um dasselbe geschlichen. Es ist kein Mensch mehr wach. Was hast du mir zu sagen?"
 
"Daß es nichts mit der hiesigen Kasse ist. Es gibt hier vierzehntägige Löhnung, und gestern ist Zahltag gewesen. Wir müßten also volle zwei Wochen warten, und das ist doch unmöglich. Es sind nicht ganz dreihundert Dollar in der Kasse; das ist nicht der Mühe wert."
 
"Und das nanntest du vorhin eine herrliche, prächtige Nachricht? Dummkopf!"
 
"Schweig! Mit der hiesigen Kasse ist es freilich nichts; aber morgen, des Nachts, kommt ein Zug mit über viermalhunderttausend Dollar hier durch."
 
"Unsinn!"
 
"Es ist wahr. Ich habe mich mit meinen eigenen Augen überzeugt. Der Zug kommt von Kansas City und geht nach Kit Karsen, wo das Geld für die neue Strecke verwendet werden soll."
 
"Das weißt du gewiß?"
 
"Ja. Ich habe den Brief und auch die Depeschen gelesen. Dieser alberne Ingenieur hat ein Vertrauen zu mir, gerade wie zu sich selbst."
 
"Was nützt uns das! Der Zug geht ja hier durch!"
 
"Esel! Er hält volle fünf Minuten hier."
 
"Donner!"
 
"Und ich und du werden auf der Lokomotive stehen."
 
"Alle Wetter! Du phantasierst."
 
"Fällt mir nicht ein! Der Zug muß von einem Extrabeamten in Carlyle übernommen werden. Dieser Mann bleibt bis hier auf der Lokomotive und fährt dann sogar bis Wallace mit, um den Train dort zu übergeben."
 
"Und dieser Extrabeamte sollst gerade du sein?"
 
"Ja. Und du sollst mit, oder vielmehr, du darfst mit."
 
"Wieso?"
 
"Der Ingenieur hat mir erlaubt, mir noch einen zweiten auszusuchen, der bei mir sein soll, und als ich ihn fragte, wen er mir vorschlage, so antwortete er, daß er mir da keine Vorschriften mache;
 
 
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