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Werke von Karl May

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Indianisches Meisterstück 

Der Mann war von gewöhnlicher Gestalt, weder zu groß noch zu klein, weder zu dick noch zu dünn, schien aber kräftig zu sein. Er trug lange Hose, Weste und kurze Jacke, welche Kleidungsstücke aus wasserdichtem Gummistoffe gefertigt waren. Auf dem Kopfe saß ein Korkhut mit Nackentuch, wie die englischen Offiziere in Ostindien und andern heißen Ländern zu tragen pflegen. Die Füße steckten in indianischen Mokassins.
 
Die Haltung dieses Mannes war diejenige eines geübten Reiters; sein Gesicht -   ja, dieses Gesicht war eigentlich ein sehr sonderbares. Der Ausdruck desselben war geradezu dumm zu nennen, und zwar nicht etwa ausschließlich durch die Nase, welche zwei ganz verschiedene Seiten hatte. Auf der linken Seite war sie weiß und hatte die leicht gebogene Gestalt einer gewöhnlichen Adlernase; auf der rechten Gesichtsseite war sie dick, wie geschwollen und von einer Farbe, welche man weder rot noch grün noch blau nennen konnte. Eingerahmt wurde dieses Gesicht von einem Kehlbarte, dessen lange dünne Haare vom Halse aus bis über das Kinn hervorstarrten. Der Bart wurde gestützt durch zwei riesige Vatermörder, deren bläulicher Glanz verriet, daß der Reiter es in der Prairie vorzog, Gummiwäsche zu tragen.
 
An die Steigbügelriemen war rechts und links je ein Gewehr, dessen Kolben neben dem Fuße des Reiters auf dem schuhartigen Bügel stand, geschnallt. Quer vor dem Sattel hing eine lange Blechrolle oder Kapsel, deren Zweck wohl kaum zu erraten war. Auf dem Rücken trug der Mann einen Ledertornister mittlerer Größe und darauf einige blecherne Gefäße und sonderbar geformte Eisendrähte. Der Gürtel war breit, auch von Leder, und glich einer sogenannten Geldkatze. Vor ihm hingen mehrere Beutel nieder, vorn blickten die Kolben oder Griffe eines Messers und mehrerer Revolver heraus, und hinten waren zwei Taschen, welche man für Patronenbehälter halten mußte, daran befestigt.
 
Das Pferd, war ein gewöhnlicher Gaul, nicht zu gut und nicht zu schlecht für die Strapazen des Westens; es war an ihm gar nichts Besonderes zu bemerken, als daß er als Schabracke eine Decke trug, welche sicherlich viel Geld gekostet hatte.
 
Der Reiter schien anzunehmen, daß sein Pferd mehr Prairieverstand besitze als er, wenigstens bemerkte man nicht, daß er demselben die Richtung gab, er ließ es laufen, wie und wohin es ihm beliebte. Es schritt durch einige Wellenthäler, kletterte dann einen Hügel hinauf, trollte drüben wieder hinab, fiel einmal freiwillig in Trab, ging wieder langsamer, kurz, der Mann mit dem Korkhelme und dem erzdummen Gesichte schien kein bestimmtes Ziel, aber viel Zeit und Muße zu haben.
 
 
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