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| Werke von Karl May |
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| Der Schatz im Silbersee |
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| Das Vermächtnis der Inkas |
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| Der Ölprinz |
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| Der schwarze Mustang |
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Im Mogollongebirge
Hände fallen, sind verloren. So auch ihr. Morgen früh, sobald der Tag graut, werden die Marterpfähle errichtet werden, und euer Schmerzgeheul wird so laut in die Lüfte schallen, daß die Geier in Scharen kommen werden, um euch das blutige, vor Schmerz dampfende Fleisch vom lebendigen Leibe zu reißen. So wird es geschehen, denn Ka Maku, der Häuptling, hat es gesagt!«
Nach diesen Worten stieg er wieder empor, zog die Leiter nach sich und legte den Deckel auf die Oeffnung.
Seine Drohung war den beiden durch Mark und Bein gegangen; sie nahmen dieselbe ernst, denn sie wußten nicht, daß er im Auftrage handelte und ihnen ihr Schicksal nur deshalb in so düsterer Farbe malte, damit sie ihrem vermeintlichen Retter später um so dankbarer sein möchten.
Dieser Besuch des Häuptlings drückte den Bankier vollständig nieder, und auch Baumgarten war bei weitem nicht mehr so zuversichtlich wie vorher. Schon morgen früh am Marterpfahle! Das war ja entsetzlich schnell und die Zeit viel, viel zu kurz zu einer möglichen Rettung!
Sie teilten sich ihre Befürchtungen mit; sie zermarterten sich das Gehirn, um einen Ausweg zu finden; sie begannen wieder, an ihren Fesseln zu zerren, so daß dieselben ihnen in das Fleisch schnitten, doch ohne den geringsten Erfolg. Da - - es waren wohl einige Stunden vergangen, hörten sie wieder ein Geräusch. Sie blickten nach oben. Der Deckel wurde weggeschoben, und ein Kopf erschien über der Oeffnung.
»Pst, pst, Mr. Rollins, seid Ihr etwa da unten?« hörten sie in unterdrücktem Tone fragen.
»Ja, ja!« antwortete der Genannte, vor Freude laut, weil er Hoffnung schöpfte.
»Leise, leise! Wenn man etwas von uns hört, bin ich verloren. Ist vielleicht Mr. Baumgarten bei Euch?«
»Ja, ich bin auch hier,« antwortete der Deutsche.
»Endlich, endlich finde ich euch! Ich habe euch unter tausend Todesgefahren gesucht, um euch zu retten. Habt ihr euch gewehrt? Seid ihr etwa verwundet?«
Es klang eine fast liebevolle Besorgnis aus diesen Worten.
»Nein, wir sind gesund und unbeschädigt,« antwortete Rollins.
»So wartet eine kleine Weile; ich will sehen, ob es mir gelingt, eine Leiter herbeizuschaffen. Es stehen zwar überall Wächter da oben, aber ich will, um euch zu retten, gern mein Leben wagen.«
Der Kopf verschwand aus der Oeffnung.
»Gott sei Dank! Wir werden entkommen!« seufzte der Bankier, indem er sich durch einen tiefen, tiefen Atemzug erleichterte. »Das war Grinley, unser Oelprinz. Nicht?«
»Ja,« antwortete der Buchhalter. »Zwar konnte ich sein Gesicht nicht sehen, aber ich habe ihn an der Stimme erkannt, obgleich er nur flüstern durfte.«
»Er holt uns heraus; er riskiert sein Leben, um uns zu befreien. Ist das nicht brav, außerordentlich brav von ihm?«
»Sehr!«
»Da sieht man wieder einmal, wie sich Leute, die sonst scharfsinnig sind, in einem Menschen irren können! Man wollte ihn zum Betrüger stempeln. Jetzt können wir die feste Ueberzeugung haben, daß er unser vollstes Vertrauen verdient, Ihr seht, wie ehrlich und treu er ist. ich werde gewiß nicht wieder an ihm zweifeln.«
Jetzt erschien der Oelprinz wieder an der Oeffnung. Er ließ eine Leiter herab und forderte die beiden mit leiser Stimme auf:
»Es ist mir gelungen. Da habt ihr die Leiter. Kommt herauf!«
»Wir können nicht, denn wir sind gefesselt,« antwortete Rollins.
»Das ist schlimm, sehr schlimm, denn da vergeht eine kostbare Zeit, weil ich zu euch hinunter muß.«
Er kam zu ihnen hernieder, betastete ihre Fesseln und schnitt dieselben durch. Sie standen auf und dehnten ihre Glieder, um das stockende Blut wieder in Umlauf zu bringen. Dabei erkundigte sich Rollins:
»Das werde ich Euch nie vergessen, Sir! Aber sagt mir doch einmal wie es Euch gelungen ist, hier - - - «
»Pst, still!« fiel ihm der Oelprinz in die Rede. »Davon später. Jetzt haben wir keine Zeit. Es gilt, schnell fortzukommen, da jeden Augenblick jemand nach euch sehen kann; dann wären wir verloren. Kommt also schnell herauf! Aber richtet euch nicht etwa in die Höhe, denn da würdet ihr sofort gesehen. Wir müssen uns kriechend entfernen.«
Er stieg empor, und sie folgten ihm. Oben legten sie sich glatt auf das Dach nieder.
»Schaut hinauf!« flüsterte er ihnen zu. »Seht ihr die Wächter?«
Sie sahen im hellen Sternenscheine Indianer auf den oberen Terrassen stehen. In ihrer Unerfahrenheit fiel es ihnen gar nicht auf, daß grad hier unten bei ihnen, wo ein Posten doch am notwendigsten gewesen wäre, keiner stand. Und noch viel weniger kamen sie auf den Gedanken, daß sie von den Wächtern da oben recht gut gesehen wurden und das Gebaren des Oelprinzen nichts war als die reine Spiegelfechterei. Er ließ das Loch offen und die Leiter in demselben stecken und raunte ihnen zu:
»Folgt mir ganz leise bis hin zum Rande, wo ich eine Leiter angelegt habe. Wenn wir nicht gesehen werden und erst unten sind, dann haben wir nichts mehr zu fürchten.«
Sie krochen nach der Kante der ersten Terrasse und sahen dort die Leiter lehnen. Auch das fiel ihnen nicht auf. Sie stiegen einer nach dem andern hinunter und befanden sich nun außerhalb des Pueblo.
»Endlich, endlich!« sagte da der Oelprinz. »Es ist gelungen. Nun schnell fort von hier!«
»Noch nicht, Mr. Grinley,« sagte der gewissenhafte Buchhalter. »Unsre Gefährten sind doch jedenfalls auch gefangen?«
»Allerdings.«
»Wollen wir sie stecken lassen? Wir haben wohl die Pflicht, ihnen- - - «
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