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Werke von Karl May

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Im Mogollongebirge 

wenn er das könnte, verlasse thut er mich doch sicher nich. Er wird seinen Zorn hinaus in den Camp reite, ihn dort liege lasse und nachher zu uns zurückkomme; darauf könne Sie sich verlasse. Dann dürfe Sie freilich nich off ihn rede; Sie müsse so thun, als ob gar nischt geschehe wäre und als ob Sie ihn gar nich sehe thäte. Ueberhaupt dürfe Sie ihn, wenn er 'mal zu schtreite beginnt, nich durch Widerschpruch zornig mache. Er bildet sich nu eemal ein, alle mögliche Gelehrsamkeet zu besitze; das macht keenem eenen Schaden; darum lasse Sie ihn off seinem Schteckenpferd sitze, wenn er es partuh reite will!«
 
Natürlich waren alle Anwesenden Zeugen der Entfernung Franks gewesen. Sogar das Gesinde des Ranchero hatte, durch das Gelächter angelockt, das Haus verlassen und war vor das Thor gelaufen. Auch der Bankier hatte mit seinem Buchhalter den Vorgang beobachtet; da er nicht deutsch verstand, mußte der letztere ihm die gefallenen Reden erklären. Er lachte nachträglich auf das herzlichste und war neugierig, ob die Voraussetzung Drolls sich erfüllen und Frank wiederkommen werde. Während diese beiden noch miteinander sprachen, trat Sam Hawkens zu ihnen und fragte:
 
»Ihr wollt nach dem Chellyflusse, Mr. Rollins? Unser Weg führt uns dort vorüber, und morgen früh reiten wir von hier fort, Euer Oelprinz hat die Absicht, sich uns anzuschließen, und ich bin darauf eingegangen. Wißt Ihr schon davon?«
 
»Nein; er hat mir noch nichts gesagt. Was denkt Ihr von dem Oelfunde?«
 
»Daß er sich in der Flüssigkeit geirrt hat, wenn es nicht etwas noch Schlimmeres ist. Ich kann Euch nur zur Vorsicht mahnen.«
 
»Also genau so, wie Mr. Frank und auch Mr. Droll mir sagten. Diese beiden scheinen auch mit euch zu gehen?«
 
»Ja. Und später kommt Old Shatterhand mit Winnetou uns nach. Ich denke, daß die Gelegenheit gar nicht trefflicher für Euch passen kann. Ihr werdet mir willkommen sein; macht aber, was Ihr wollt!«
 
»Well! Ich müßte gar kein Hirn im Kopfe haben, wenn ich nicht auf Euern Vorschlag eingehen wollte. Ihr gewährt mir einen Schutz, den ich vielleicht sehr nötig habe. Es mag also zugesagt sein: ich werde mich Euch anschließen, Sir, und sage Euch für die Erlaubnis einstweilen meinen Dank.«
 
So war die Sache also zur allseitigen Zufriedenheit abgemacht, und Rollins, Baumgarten und der Oelprinz, welche sich bisher mehr für sich gehalten hatten, schlossen sich den Emigranten und deren Führern an. Man setzte sich zusammen; es wurde viel erzählt, so daß man bald bekannter miteinander wurde. Darüber verging der Nachmittag; der Abend brach herein, und man brannte im Hofe ein Feuer an, um an demselben das Fleisch, welches der Ranchero lieferte, zu braten. Nach dem Essen sollte Kaffee gekocht werden. Die dazu gehörigen Gefäße hatten die Einwanderer mit; man brauchte sie also nicht von Forner zu borgen. Frau Rosalie und eine der andern Frauen nahmen einen Kessel und gingen damit nach dem Flusse, um Wasser zu holen. Nach einigen Minuten kamen sie in großer Aufregung und ohne den Kessel zurück. Ihre Gesichter drückten das größte Entsetzen aus.
 
»Was ist denn mit Ihnen?« fragte der Kantor. »Wo haben Sie den Kessel? Wie sehen Sie denn aus?«
 
Die andre Frau konnte vor Schreck nicht reden; Frau Rosalie antwortete, aber unter allen Anzeichen des Schreckes.
 
»Wie ich aussehe? Wohl schlecht, he?«
 
»Ganz leichenblaß. Ist Ihnen vielleicht etwas passiert?«
 
»Passiert? Und ob! Herjesses, was wir gesehen haben!«
 
»Was denn?«
 
»Was? Ja, das weeß ich nich, da fragen Sie mich zu viel.«
 
Da meinte ihr Mann:
 
»Sei doch nich so dumm! Du mußt doch wissen, waste gesehen hast!«
 
Da stemmte sie die Fäuste in die Hüften und fuhr ihn zornig an:
 
»Weeßt du es vielleicht?«
 
»Ich? Nee,« antwortete er verblüfft.
 
»Na also! Da schweigste ooch schtille, verschtehste mich! Ich weeß schon, wo ich meine Oogen hab; aber so een grausiges Geschöpf, wie wir gesehen haben, is mir in meinem ganzen Leben noch nich vorgekommen.«
 
»Es war een Geist, een Flußgeschpenst,« erklärte die andre Frau, indem sie sich schüttelte. Sie hatte die Sprache wieder erlangt.
 
»Unsinn!« antwortete Frau Rosalie. »Geister gibt es nich, und an Geschpenster gloobe ich erscht recht nich.«
 
»So war es een Wassernix!«
 
»Ooch nich. Sei doch nich so abergläubisch! Nixe gibt es nur in den Kindermärchen.«
 
»Was denkste denn, was es da gewesen sein mag?«
 
»Ja, da fragste mich zu viel. Een Geist also warsch nich, denn es gibt keenen; een Mensch is es ooch nich gewesen, also warsch een Vieh, aber was für eens!«
 
Da ergriff der Kantor das Wort wieder:
 
»Wenn es ein Tier gewesen ist, so werden wir die Gattung, die Art und den Namen bald herausbekommen; ich bin ja Zoologe, nämlich vom Unterrichte in der Schule her. Beantworten Sie mir meine Fragen. War es ein Wirbeltier?«
 
»Von eenem Wirbel hab'ich nischt bemerkt. Dazu ist es zu dunkel gewesen.«
 
»Welche Größe hatte es denn?«
 
»Als es im Wasser saß, konnte ich das nich gut sehen; aber als es offschprang, war es meiner Seele so groß wie een Mensch.«
 
»Also war es unbedingt ein Wirbeltier, wahrscheinlich ein Säugetier?«
 
»Das kann ich nich sagen.«
 
»Gehen wir die einzelnen Klassen durch. Ist es ein Affe gewesen?«
 
»Nee, denn es hatte keenen Schwanz.«
 
»Es gibt auch ungeschwänzte Affen. Vielleicht ein Raubtier?«
 
»Ooch nich, obgleich es gefährlich genug ausgesehen hat.«
 
 
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