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Werke von Karl May

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Im Mogollongebirge 

sein Freund und Vetter Droll lachte, daß er sich den Bauch mit beiden Händen halten mußte. Dies brachte den Hobble vollends außer sich, er schüttelte die geballten Fäuste wütend gegen die Lachenden und rief mit vor Zorn fast überschnappender Stimme:
 
»Nu gut! Ihr wollt nich hören, da sollt ihr fühlen! Ich schüttle den Schtaub von meinen Schtiefeln wie Johann Huß off seinem Scheiderhaufen in Magenta und gehe meine Wege. Düh l'ah wollüh, Anton! Ich wasche meine Hände in kindlicher Unschuld und lasse die Seefe bei euch zurück. Adieu, off Reservoir in eener bessern Welt, wo's keene dummen Menschen gibt, die über meine reformatorische Geistesgröße lachen!«
 
Er rannte davon, während das Gelächter nun wahrhaft homerisch hinter ihm erscholl. Sein Pferd graste draußen im Freien; er lief hinaus.
 
Ein einziger nur war es, der nicht mit in das Lachen eingestimmt hatte, nämlich Schi-  So, der Häuptlingssohn. Der angeborene Indianerernst ließ ihn zurückhaltend sein. Er verstand ja auch deutsch und hatte gar wohl gehört, in welch drolliger Weise Frank in sein eigenes Netz gelaufen war; er fühlte sich auch belustigt, doch fand seine Heiterkeit ihren Ausdruck nur in einem Lächeln, welches um seine Lippen spielte. Er erhob sich nach kurzer Zeit von seinem Platze und ging nach dem Thore, um sich nach dem zornigen Kleinen umzusehen. Bereits nach wenigen Augenblicken kehrte er zurück und meldete.
 
»Er macht wirklich Ernst, denn er sattelt draußen sein Pferd. Soll ich ihn bitten zurückzukommen?«
 
»Nee,« antwortete Droll in seiner Altenburger Mundart. »Er will uns nur in Verlegenheet bringe. Ich kenne meine Pappenheimer; dem fällt es epper gar nich ein, fortzureite und mich hier sitze zu lasse.«
 
Dennoch kehrte Schi-  So an das Thor zurück. Kaum war er dort angekommen, so ließ er einen Pfiff hören und rief, als sie nach ihm hinblickten, ihnen zu:
 
»Er steigt auf; es scheint ihm Ernst zu sein.«
 
Nun rannten alle hin. Da kamen sie gerade recht, zu sehen, daß der ergrimmte Hobble wirklich im Sattel saß und, sein Pferd nach dem Flusse lenkend, fortritt. Droll rief ihm nach.
 
»Frank, Vetter, wo willste hin? Es war ja gar nich so gemeent!«
 
Der Hobble drehte sein Pferd herum und antwortete:
 
»Meents wie ihr wollt; der Prairiejäger und Privatgelehrte Heliogabalus Morpheus Edeward Franke läßt sich nich auslachen.«
 
»Mer habe ja nich über dich, sondern über den Kantor gelacht,« log Droll.
 
»Das machste mir nich weiß. Ihr habt über den Ochsen gelacht, den ich gar nich 'mal vollschtändig ausgeschprochen habe; er kam nur halb heraus; die hintere Hälfte is mir im Munde schtecken geblieben. Is das etwa lächerlich?«
 
»Lächerlich nich, aber höchst gefährlich, eenen halben Ochsen im Maule zu habe; das macht dir wahrhaftig keener von uns nach. Unsre Achtung schteigt; also komm nur wieder her, altes Haus!«
 
»Fällt mir nich im Troome ein, besonders da du sogar jetzt wieder über den Ochsen lachst. O, Vetter Droll, was muß ich alles von dir erleben und erleiden. Das hätte ich nich gedacht! Aber Schtrafe muß sein. Ich bin Achilles mit der Ferse und werde es mit euch grad so machen, wie er es mit den Russen gemacht hat.«
 
»Achilles? Der is mir unbekannt und seine Ferse ooch.«
 
»Pfui Schande, so was nich zu wissen! Und dennoch lachste über mich? Achilles war der größte Held der Schpartaner und zog mit den Russen gegen die Türken aus. Bei der Belagerung von Dünkirchen beleidigte ihn Gortschakoff durch grad so een höllisches Hohngelächter, wie heut das eurige war; da setzte er sich off seinen Rappen und jagte wütend und mit verhängtem Zügel zum Burgthore hinaus. Seit dieser Zeit is er verschwunden, schpurlos verschwunden, und keen Mensch hat ihn jemals wiedergesehn. Zum Andenken aber hat man ihm eenen astronomischen Fixstern an den Himmel gesetzt, mit seinem schpartanischen Namen darüber. Wenn du off die Himmelskarte guckst, kannste ihn am südlichen Firmamente im Bilde des grauen Bären sehen, zu dem ooch der Mond gehört. So wie dieser große Held wird jetzt ooch der Hobble-  Frank verschwinden.«
 
»Unsinn! Komm nur her, und sei nich albern!«
 
»Albern? Dieses Wort schtößt dem Faß vollends den Boden'naus! Der Hobble-  Frank und albern! Hat man jemals so was nur gehört! Nee, ich verschwinde ganz so, wie Achilles unsichtbar geworden is, und lasse mich durch nischt zur Rückkehr mehr bewegen, ooch nich dadurch, daß ihr mir eenen Schtern 'noff an den Himmel setzt. Lebt also wohl, Gentlemen! Habe die Ehre! Mein Kompliment!«
 
Er wendete wieder um, gab seinem Pferde die Sporen, jagte nach dem Flusse und ritt in denselben hinein.
 
»Frank, Frank, kehr um, kehr doch um!« schrie Droll ihm lachend nach. »Du kannst doch deine Tante nich verlasse!«
 
Der Hobble drehte diesmal nur den Kopf herum und rief zurück:
 
»Wir sind von heute an geschiedene Leute; da beißt keene Maus keenen Faden nich! Ich drehe mich kontinatürlich weiter, wie sich die Erde um die Sonne dreht. Ich bin für euch een abgeschiedener, toter Mann. Quietist in patrem -   Friede eurer Asche!«
 
Der neue Achilles ritt weiter, über das Flüßchen hinüber und dann in den weiten Camp hinein.
 
»Das thut mir außerordentlich leid,« gestand der besorgte Kantor. »Er ist etwas streitfertig, besonders in Beziehung auf die Wissenschaft, aber sonst ein seelensguter Mann. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, ihn zu treffen, und nun haben wir ihn eingebüßt!«
 
»Für höchstens eenige Schtunden nur,« antwortete Droll.
 
»Meinen Sie wirklich?«
 
»Ja; ich kenne ihn. Wenn man ihm nich recht gibt, so schmollt er gern, wird aber gleich wieder gut.«
 
»Aber heut scheint es anders zu sein!«
 
»Nee. So wild wie heut is er freilich noch nie gewese; zum Fortreite is es noch niemals gekomme; aber ich weeß, daß er ohne mich nich lebe kann, und selbst
 
 
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