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Werke von Karl May

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Im Mogollongebirge 

»Natürlich! Oder hab'n Sie vielleicht etwas dagegen?« erwiderte sie, indem sie ihm um zwei Schritte folgte.
 
»Verwitwete Leiermüllern?«
 
»Na, freilich!« nickte sie.
 
»Aber da sind Sie doch wohl eene Deutsche?«
 
»Und was für eene! Sagen Se nur noch een falsches Wort, so werden Se mich kennen lernen! Ich bin gewöhnt, daß man per Galanterie mit mir verkehrt. Verschtehn Se mich!«
 
»Und ich bin doch galant gegen Sie gewesen!«
 
»Galant? Was Se nich sagen! Is es etwa galant von Ihnen, sich an meinem Esel zu vergreifen?«
 
»Ich wollte ihn nur halten, weil er Ihnen nich gehorchte.«
 
»Nich gehorchte? Da hört aber gradezu alles und verschiedenes off! Mir gehorcht jeder Esel; das können Se sich merken! Und nachher haben Se mich in Ihren Armen halb zerdrückt. Der Atem ging mir aus, und das Feuer is mir förmlich aus den Oogen herausgefahren. Das muß ich mir schtreng verbitten. Mit eener Dame muß man hübsch sachte und behutsam verfahren. Wir sind das schönere und ooch das sanftere Geschlecht und wollen zart behandelt sein. Wer aber wie een Packträger zugreift und -   -   -  «
 
Sie hielt inne, denn sie wurde unterbrochen; es erscholl hinter ihr ein Ausruf, der sie verstummen ließ, ein Ausruf der Verwunderung und des Entzückens:
 
»Herr Jemmineh, das ist ja doch wohl der berühmte Hobble-  Frank!«
 
Frank wendete sich schnell um und rief, als er den Sprecher sah, mit ebenso großem Erstaunen:
 
»Unser Kantor Hampel! Is das denn die Möglichkeet! Schteigen Sie ab, und schweben Sie in meine Arme!«
 
Der langsame Opernbeflissene war, wie gewöhnlich, zurückgeblieben und erst jetzt beim Thore angekommen. Er hielt warnend den Finger empor und antwortete:
 
»Kantor emeritus, wenn ich bitten darf, Herr Frank! Sie wissen ja, es ist nur der Vollständigkeit halber und um etwaige Verwechselungen zu vermeiden. Es könnte leicht einen zweiten Kantor Matthäus Aurelius Hampel geben, der noch nicht emeritiert worden ist. Und sodann möchte ich Sie, ehe ich absteige, auf einen noch andern Punkt aufmerksam machen.«
 
»Off welchen denn?«
 
»Das werde ich Ihnen gleich sagen.«
 
»Sie sehen, wie begierig ich darauf bin, mein sehr verehrter und lieber Kantor.«
 
»Sehen Sie, da ist es schon wieder! Sie sagen bloß Kantor, während ich Sie höflicher Weise Herr Frank tituliere. Ein jünger der Kunst darf sich nichts vergeben, und darum muß ich Sie bitten, bei mir zukünftig den >Herrn< nicht wegzulassen. Das ist nicht etwa Stolz von mir, sondern nur der Vollständigkeit wegen, wie Sie wohl wissen werden.«
 
 
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