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| Werke von Karl May |
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| Der Schatz im Silbersee |
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| Das Vermächtnis der Inkas |
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| Der Ölprinz |
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| Der schwarze Mustang |
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Im Mogollongebirge
Er reichte den beiden abermals die Hände, und der Bankier folgte diesem Beispiele. Er schien jetzt erfreut darüber zu sein, solche Begleiter gefunden zu haben. Der Ranchero war herbeigekommen, hatte den letzten Teil des Gespräches mit angehört und sagte nun:
»So ist's recht, Mesch'schurs; haltet gut zusammen! Ich denke nicht, daß ihr das wegen des Oelprinzen nötig haben werdet, denn ich kann nichts Böses über ihn sagen; aber der Indianer wegen gebe ich euch diesen Rat. Die Nijoras und Navajos haben ihre Kriegsbeile ausgegraben und selbst den Moquis, die sonst außerordentlich friedlich sind, soll heute nicht mehr zu trauen sein. Ihr werdet also nicht hierblieben. Was soll ich Winnetou und Old Shatterhand sagen, wenn sie kommen?«
»Daß sie hier auf uns warten oder, noch weit besser, uns nach dem Chellyflusse sofort folgen sollen,« antwortete Droll. »Ich muß Euch aber sehr bitten, dem Oelprinzen hiervon nichts mitzuteilen!«
»Das verspreche ich Euch gern; er soll kein Wort erfahren. Wo er nur stecken mag? Will doch einmal nach ihm sehen.«
Er ging hinaus vor das Thor, wohin Grinley vorhin vorausgegangen war, und sah sich nach demselben um. Da erblickte er eine Gruppe von Reitern, welche sich von Süden her dem Rancho näherte. Diese Leute waren noch so fern, daß man jetzt nur bemerken konnte, daß sie auch Lasttiere bei sich hatten. Bald darauf aber erkannte Forner, daß die Gesellschaft nicht nur aus Männern bestand; es waren auch Frauen und Kinder dabei. Einige Reiter hatten Pferde; die übrigen saßen auf Maultieren.
Voran ritt ein kleiner Kerl, welcher in einem großen und viel zu weiten bockledernen Jagdrocke stak. Von dem Gesichte waren wegen eines außerordentlich starken Bartwuchses nur zwei kleine, listig blickende Aeuglein und eine Nase zu sehen, welche fast erschreckende Dimensionen besaß. Dieses Männchen war Sam Hawkens, welcher mit seinen beiden Gefährten Dick Stone und Will Parker die Leitung der Auswandererkarawane übernommen hatte und mit derselben von dem erst projektierten Wege abgewichen war, weil das Verbleiben auf demselben zu viel Zeit erfordert hätte. Er ließ sein altes Maultier, die »Mary«, aus dem langsamen Marschschritte in Galopp fallen, hielt sie vor Forner an und grüßte:
»Good day, Sir! Nicht wahr, diese Niederlassung wird Forners Rancho genannt?«
»Ay, Master, das ist so,« antwortete der Farmer, indem er erst den Kleinen und dann die nachfolgenden Reiter musterte. »Ihr scheint wohl Emigranten zu sein, Master?«
»Yes, wenn Ihr nämlich nichts dagegen habt.«
»Ist mir recht, wenn ihr nur ehrliche Kerls seid. Wo kommt ihr her?«
»Ein wenig von Tucson herauf.«
»Da habt ihr einen bösen Weg gehabt, zumal Kinder bei euch sind. Und wo wollt ihr hin?«
»Gegen den Colorado zu. Ist der Ranchero daheim?«
»Yes, wie ihr seht. Ich bin es selbst.«
»So sagt, ob wir bis morgen früh bei Euch rasten dürfen?«
»Soll mir recht sein; denn ich hoffe, daß ich es nicht zu bereuen brauche, wenn ich euch diese Erlaubnis gebe.«
»Werden Euch nicht fressen; darauf könnt Ihr Euch verlassen. Und was wir vielleicht von Euch entnehmen, das werden wir gern bezahlen.«
Er stieg ab. Der Oelprinz hatte erst fern gestanden, war aber näher gekommen und hatte alles gehört. Er wußte nun, daß er die Auswanderer vor sich hatte, von denen er von seinem Bruder und dem ungetreuen Führer gehört hatte. Die im Hofe befindlichen Personen kamen auch an das Thor, und zwar grad in dem Augenblicke, in welchem die Gesellschaft dort anlangte, um abzusteigen. Das ging aber nicht so glatt, wie man erwartet hatte. Der Maulesel, auf welchem Frau Rosalie saß, schien seinen Kopf für sich zu haben; er wollte sie nicht herablassen, sondern weiterlaufen. Der Hobble- Frank trat als stets galantes Kerlchen herbei, um ihr behilflich zu sein, und das empörte den Maulesel in der Weise, daß er mit allen vier Beinen zugleich in die Luft ging und sie abwarf. Die Frau hätte sicher einen schweren Fall gethan, wenn Frank nicht so gewandt gewesen wäre, sie aufzufangen. Aber anstatt ihm dafür dankbar zu sein, riß sie sich von ihm los, gab ihm einen sehr kräftigen Rippenstoß und fuhr ihn zornig an:
»Sheep's- head!« - was so viel wie Schafskopf bedeutet.
»Sheep's- nose - Schafsnase!« antwortete er in seiner wohlbekannten Zungenfertigkeit.
»Clown - Grobian!« fuhr sie wütend fort, indem sie ihm die geballte Rechte entgegenstreckte.
»Stupid girl - dumme Liese!« lachte er und wendete sich von ihr ab.
Sie hielt ihn für einen Amerikaner und hatte sich also derjenigen englischen Kampfeswörter bedient, welche ihr bekannt waren, die stupid girl aber brachte sie in solche Aufregung, daß sie seinen Arm faßte und ihn deutsch andonnerte, weil ihr englischer Sprachschatz nun nicht weiterreichte:
»Sie Esel, großartiger, Sie! Wie können Sie eine Dame schimpfen! Wissen Sie, wer ich bin? Ich bin Frau Rosalie Eberschbach, geborene Morgenschtern und verwitwete Leiermüllern. Ich werde Sie beim Gerichtsamte anzeigen! Erscht machen Sie mir meinen Esel irre; nachher quetschen Sie Ihre Arme um meine Tallje, und endlich werfen Sie mir Schimpfwörter ins Gesicht, die een anschtändiger Mensch gar nich kennen darf. Das muß gerochen werden! Ich werde Sie ganz exemplarisch beschtrafen lassen. Verschtehn Se mich?«
Sie blickte ihn höchst herausfordernd an und stemmte kampfeslustig beide Hände in die Hüften. Der Hobble- Frank trat vor Ueberraschung einen Schritt zurück und fragte:
»Wie war das? Ihr Name is Rosalie Eberschbach?«
»Ja,« antwortete sie, indem sie ihm diesen Schritt folgte.
»Geborene Morgenschtern?« fuhr er fort, indem er zwei Schritte retirierte.
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