Karl May Reiseromane       Goethe Bildungsromane
Impressum | Datenschutz

Werke von Karl May

Werke von Karl May
Home
Der Schatz im Silbersee
Der schwarze Panther
Die Tramps
Nächtliche Kämpfe
Der Vergeltung entronnen
Indianisches Meisterstück
Ein Parforceritt im Finstern
Im Kampf um Butlers Farm
Ein Drama auf der Prairie
List und Gegenlist
Am Eagle-tail
In der Klemme
Auf Tod und Leben
Edelmut Old Shatterhands
Gefangen und befreit
Eine Indianerschlacht
Am Silbersee
Das Vermächtnis der Inkas
Vater Jaguar
Die Gigantochelonia
El Hijo del Inka
Eine Urwaldschlacht
In der Mordschlucht
Der Ölprinz
Das Kleeblatt
Im Mogollongebirge
Am Petroleumsee
Gerechte Strafe
Der schwarze Mustang
Im Firwood-Camp
Nach dem Rocky-Ground
Der Ueberfall
Die Bonanza of Hoaka
 
 

Im Mogollongebirge 

die Auswanderer mit ihrem >Kleeblatte< ankommen und die dürfen mich natürlich nicht sehen.«
 
»Ahnen sie, daß du sie verfolgst?«
 
»Nein, wenigstens glaube ich es nicht, denn sie können nicht erfahren haben, daß ich entkommen bin. Es hat uns große Anstrengung gekostet, sie ein-   und dann heut gar zu überholen. Dieser schlaue Sam Hawkens hat sie beredet, von ihrer ursprünglich geplanten Richtung abzuweichen. Er ist über den Gila gegangen, anstatt diesem zu folgen und hat dann, um rascher reisen zu können, auf Bells Farm die langsamen Ochsen mit den schnelleren Maultieren vertauscht und ebenda die Wagen und alles überflüssige Gerät verkauft. Nun reiten sie alle.«
 
»Du weißt bestimmt, daß sie heute hier ankommen?«
 
»Ja; ich habe sie gestern abend in ihrem Lager belauscht. Poller hat es auch gehört.«
 
»Ah, dieser Poller! Ist er dir nicht im Wege?«
 
»Jetzt noch nicht.«
 
»Aber desto mehr mir. Kannst du ihn nicht loswerden?«
 
»Schwerlich.«
 
»Durch irgend eine List?«
 
»Geht nicht. Er würde mich aus Rache an das >Kleeblatt< verraten und gewiß auch Aufklärung über dich erteilen.«
 
»Er kennt mich doch nicht!«
 
»O doch, denn als ich dich sitzen sah, habe ich ihm gesagt, daß du mein Bruder bist. Während wir uns jetzt hier befinden, wird sicher von eurer Petroleumquelle gesprochen; er denkt sich natürlich das Richtige und würde, wenn ich ihn verließe, an dir zum Verräter werden.«
 
»Das ist dumm. Du hättest ihm nichts sagen sollen.«
 
»Es ist nun einmal geschehen und kann nicht geändert werden. Ueberdies kann er mir behilflich sein und mir da droben am Gloomy-  water (* Dürres Wasser.) meine Arbeit sehr erleichtern.«
 
»Willst du ihn einweihen?«
 
»Nur zum Teil, vollständig nicht.«
 
»Dennoch wird er mit uns teilen wollen!«
 
»Mag sein; er bekommt jedoch nichts. Sobald ich ihn nicht mehr gebrauchen kann, schaffe ich ihn aus dem Wege.«
 
»Well, das lass' ich gelten. Er mag uns jetzt helfen, und dann bekommt er, ist's nötig, eine Kugel oder mag im Petroleum ersaufen. Wann brecht ihr hier auf?«
 
»Das kann sofort geschehen.«
 
»Schön! So könnt ihr heut abend schon weit von hier sein.«
 
»Da täuschest du dich. Es fällt mir gar nicht ein, die deutschen Auswanderer aus den Augen zu lassen.«
 
»Auf sie wirst du nun, da du mir zu helfen hast, verzichten müssen.«
 
»Keinesweges. Es ist einer dabei, Ebersbach heißt er, welcher viel bares Geld bei sich hat, und außerdem besitzen sie viel und allerlei, was unsereiner gut gebrauchen und verwerten kann. Dazu kommt die Rache, die ich an ihnen nehmen will und die ich ganz unmöglich aufgeben kann.«
 
»Ist mir außerordentlich unlieb und paßt ganz und gar nicht in meinen Plan!«
 
»Warum nicht? Ihr Weg führt sie in der Nähe des Gloomy-  water vorüber; du brauchst dich ihnen also nur anzuschließen; das übrige ist dann meine Sache.«
 
So weit waren sie in ihrem Gespräch gelangt, als sie Poller kommen sahen. Er trat ganz zu ihnen heran und sagte in wichtigem Tone:
 
»Ich muß euch stören, denn da vorn gehen wichtige Dinge vor.«
 
»Sind sie wirklich so wichtig, daß du uns deshalb unterbrechen mußt?« fragte Buttler unwillig.
 
»Ja. Nämlich Old Shatterhand und Winnetou kommen hierher.«
 
»Alle Wetter!« fuhr Grinley auf. »Was haben die hier zu suchen!«
 
»Was geht es dich an, daß sie kommen?« meinte Buttler, jetzt wieder ruhig. »Dir kann es ja ganz gleichgültig sein, wo sie stecken.«
 
»Ganz und gar nicht, denn da, wo diese beiden Menschen sich befinden, bleibt in der ganzen Gegend kein herabgefallenes Blatt unumgewendet; sie müssen alles wissen und erfahren alles.«
 
»Hm, das ist wahr. Woher weißt du denn, Poller, daß sie kommen?«
 
»Eben als du dich entfernt hattest, kamen zwei Fremde, von denen wir es erfahren haben. Sie wollen hier auf Winnetou und Old Shatterhand warten und sind genau so gekleidet, wie diese beiden sich zu tragen pflegen. Jetzt sitzen sie da und kauderwelschen mit dem Buchhalter des Bankiers in deutscher Sprache.«
 
»Woher wißt Ihr denn,« fragte Grinley, »daß es ein Buchhalter mit seinem Bankier ist?«
 
»Rollins hat es selbst gesagt.«
 
»Daß doch -   hat er vielleicht gar noch mehr von uns erzählt?«
 
»Ihr meint von Petroleum? Ja, das hat er gesagt.«
 
»Das ist fatal, außerordentlich fatal!« rief er aus, indem er eifrig aufsprang. »Ich muß vor zu ihnen, um weiteres zu verhüten. Ihr sagt, daß sie deutsch sprechen. Sind sie denn Deutsche?«
 
»Ja. Der eine wird Tante Droll und der andre Hobble-  Frank genannt.«
 
»Was Ihr sagt! Da gehören sie ja zu der Gesellschaft, die da oben am Silbersee in kurzer Zeit so reich geworden ist!«
 
»Ja; sie sprachen davon. Diese beiden Kerls scheinen sehr viel Geld bei sich zu haben.«
 
»Und was sagten sie zu meiner Petroleumquelle?«
 
»Sie glaubten es nicht und haben den Bankier gewarnt. Sie halten es für Schwindel.«
 
»Donner und Doria! Habe ich es nicht sofort gesagt, als ich hörte, daß Old Shatterhand und Winnetou kommen wollen! Sie sind noch nicht einmal da und schon beginnt
 
 
Seiten
1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13  14  15  16  17  18  19  20  21  22  23  24  25  26  27  28  29  30  31  32  33  34  35  36  37  38  39  40  41  42  43  44  45  46  47  48  49  50  51  52  53  54  55  56  57  58  59  60  61  62  63  64  65  66  67  68  69  70  71  72  73  74  75  76  77  78  79  80  81  82