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Werke von Karl May

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Im Mogollongebirge 

sie sind, und das stimmt vollständig. Wie freu' ich mich, euch zu sehen, Mesch'schurs. Jetzt müßt ihr erzählen; ich bin ganz begierig, aus euerm eigenen Munde zu erfahren, was sich alles damals ereignet hat, und wie jenes außerordentliche Placer entdeckt worden ist.«
 
Da wehrte der Bankier ab.
 
»Langsam, langsam, Sir! Das könnt Ihr noch jederzeit hören. Es gibt vorher noch viel Wichtigeres, wenigstens für mich.«
 
Er hatte das zu Forner gesagt; dann fügte er hinzu, sich an Droll und Frank wendend:
 
»Ich stehe nämlich vor einem ähnlichen Ereignisse; ich befinde mich auf dem Wege, viele, viele Millionen zu verdienen.«
 
»Wißt Ihr auch ein Placer, Sir?« fragte Droll.
 
»Ja; aber nicht Gold, sondern Petroleum soll dort zu finden sein.«
 
»Auch nicht übel, Sir. Petroleum ist flüssiges Gold. Wo soll denn dieses Placer zu suchen sein?«
 
»Das ist noch Geheimnis. Master Grinley hat es entdeckt. Er besitzt aber nicht die Mittel, es auszubeuten; dazu gehört viel, sehr viel Geld, und das habe ich. Er hat mir das Placer angeboten, und ich bin bereit, es ihm abzukaufen. Zu solchen Geschäften muß man die eignen Augen nehmen. Darum habe ich mich mit meinem Buchhalter, Mr. Baumgarten hier, aufgemacht, um mich von Grinley nach der Stelle führen zu lassen. Wenn seine Beschreibung sich als richtig erweist, kaufe ich ihm den Platz auf der Stelle ab.«
 
»Also wo er Euch hinführen wird, das wißt Ihr nicht?«
 
»Genau allerdings nicht. Es ist ja ganz begreiflich, daß er den Ort bis zum letzten Augenblicke geheim halten will. Wenn es sich um Millionen handelt, kann man nicht bedächtig genug sein.«
 
»Ganz richtig. Hoffentlich ist er es nicht allein, welcher vorsichtig handelt, denn Ihr habt noch viel mehr Grund, wenigstens ebenso vorsichtig zu sein. Aber so ungefähr müßt Ihr doch wissen, in welcher Gegend das Oel zu finden ist?«
 
»Das weiß ich allerdings.«
 
»Nun, wo? Wenn Ihr es mir nämlich sagen wollt.«
 
»Euch sage ich es gern, denn ich möchte wissen, was Ihr davon haltet. Es ist am Chellyarm des Rio San Juan.«
 
Das volle, rote Gesicht Drolls zog sich in die Länge. Er sah nachdenklich vor sich nieder und sagte:
 
»Am Chellyarm des Rio San Juan? Da -   soll -   Pe-  -  tro-  le-  um zu finden -   sein? Im ganzen Leben nicht!«
 
»Was? Wie? Warum?« rief der Bankier. »Ihr glaubt es nicht?«
 
»Nein.«
 
»Kennt Ihr denn die Gegend?«
 
»Nein.«
 
»So könnt Ihr doch auch nicht in dieser Weise absprechend urteilen!«
 
»Warum nicht? Man braucht nicht dort gewesen zu sein, um dennoch zu wissen, daß es dort kein Oel geben kann.«
 
»Da widerspreche ich. Mr. Grinley war dort und hat Oel gefunden. Ihr aber seid nicht dort gewesen, Sir.«
 
»Hm! Ich war auch noch nicht in Aegypten und am Nordpole; aber wenn mir jemand sagte, er habe im Nil Buttermilch fließen und am Pole Palmen wachsen sehen, so glaube ich es nicht.«
 
»Ihr zieht die Sache in das Lächerliche; um ein so schnelles und bestimmtes Urteil fällen zu können, müßtet Ihr Geolog oder Geognost sein. Seid Ihr das?«
 
»Nein; aber ich besitze meinen gesunden Menschenverstand und habe ihn geübt.«
 
Da nahm Forner sich der Sache an, indem er der Tante Droll erklärte:
 
»Ihr thut Mr. Grinley unrecht, Sir, jedermann hier weiß, daß er Petroleum gefunden hat. Es ist ihm gar mancher heimlich nachgegangen, um ihm sein Geheimnis abzulauschen und den Ort zu entdecken, doch stets vergeblich.«
 
»Natürlich ganz vergeblich, weil es diesen Ort überhaupt nicht gibt!«
 
»Es gibt ihn, sage ich Euch! Mr. Grinley wird hier von jedermann der Oelprinz genannt.«
 
»Das beweist gar nichts.«
 
»Aber er hat mir verschiedene Male Proben des Oeles gezeigt!«
 
»Auch das ist kein Beweis. Petroleum kann jeder zeigen. Es ist mir wirklich ganz unglaublich, daß es da oben Erdöl gibt. Nehmt Euch in acht, Mr. Rollins! Denkt daran, daß es vor nicht gar langer Zeit Schwindler gab, welche Geldleute in sogenannte Gold-   und sogar auch Diamantdistrikte lockten; dann stellte es sich heraus, daß es dort weder Metalle noch Edelsteine gab!«
 
»Sir, wollt Ihr Mr. Grinley verdächtigen?«
 
»Fällt mir nicht ein. Die Sache geht mich gar nichts an; aber Ihr habt mich nach meiner Meinung gefragt, und ich habe sie Euch mitgeteilt.«
 
»Gut! Darf ich vielleicht auch erfahren, was Mr. Frank davon denkt?«
 
»Ganz dasselbe, was Droll denkt,« antwortete der Hobble-  Frank. »Wenn Ihr uns nicht beistimmen wollt, so wartet hier einige Tage; dann werden zwei Personen kommen, auf deren Urteil Ihr Euch verlassen könnt.«
 
»Wer wird das sein?«
 
»Old Shatterhand und Winnetou.«
 
»Was?« fragte Forner freudig überrascht. »Diese beiden Männer wollen in einigen Tagen nach hier kommen?«
 
»Ja.«
 
»Woher wißt Ihr das?«
 
»Von Old Shatterhand.«
 
»Hat er Euch hierher bestellt?«
 
»Nein; aber er hat die Güte, mich zuweilen mit einem Briefe zu erfreuen, und vor acht Wochen schrieb er mir, daß er sich mit Winnetou verabredet habe, um die jetzige Zeit mit ihm auf Forners Rancho am Rio San Carlos zusammenzutreffen.«
 
»Und Ihr meint, daß dies geschehen wird?«
 
 
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