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Werke von Karl May

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Im Mogollongebirge 

»wenn es nötig ist« angewöhnt. Oft werden diese Redensarten bei Gelegenheiten angewandt, wo sie höchst lächerlich erscheinen und wohl gar das Gegenteil von dem sagen, was ausgedrückt werden soll. So auch jetzt und hier. Darum sah Forner den kleinen Dicken erstaunt an, fuhr aber doch ernsthaft fort:
 
»Kennt Ihr denn diese Völkerschaften, Sir?«
 
»Ein wenig.«
 
»Das reicht nicht aus. Man muß Freund mit ihnen sein, und selbst dann noch ist es möglich, daß man den Skalp verliert, wenn sie den Kampf gegen die Weißen beschlossen haben. Wenn euch euer Weg etwa nach Norden führt, So rate ich euch ab; es ist dort keineswegs geheuer. Ihr scheint zwar gut ausgerüstet zu sein, aber wie ich an euern neuen Anzügen sehe, kommt ihr direkt aus dem Osten, und eure Gesichter sind auch nicht solche, aus denen man den unerschrockenen Westmann sofort herauszulesen vermag.«
 
»So! Das ist sehr aufrichtig. Ihr beurteilt die Leute also nach ihren Gesichtern, wenn es nötig ist?«
 
»Ja.«
 
»Das gewöhnt Euch sobald wie möglich ab. Man schießt und sticht mit der Büchse und dem Messer, nicht aber mit dem Gesichte, verstanden! Es kann einer sehr martialische und grimmige Gesichtszüge besitzen und dabei doch ein Hasenfuß sein.«
 
»Das will ich nicht bestreiten; aber ihr -   hm. Darf ich nicht vielleicht erfahren, was ihr seid, Mesch'schurs?«
 
»Warum denn nicht?«
 
»Nun, bitte!«
 
»Wir sind -   na ja, wir sind eigentlich das, was man Rentiers oder wohl auch Particuliers nennt.«
 
»O weh! Da seid ihr wohl zu euerm Vergnügen nach dem Westen gekommen?«
 
»Zu unserm Herzeleid natürlich nicht!«
 
»Wenn das ist, Sir, da kehrt sofort wieder um, sonst werdet Ihr hier ausgelöscht, wie man ein Licht ausbläst. Aus der Art und Weise, wie Ihr redet, höre ich, daß Ihr keine Ahnung von den Gefahren habt, die in dieser Gegend auf Euch warten, Master -   Master -   wie ist doch Euer Name?«
 
Droll griff gemächlich in die Tasche, brachte eine Karte hervor und überreichte sie ihm. Der Ranchero machte ein Gesicht, als ob er sich die größte Mühe geben müsse, das Lachen zu verbeißen, und las laut.
 
»Sebastian Melchior Pampel.«
 
Der Hobble-  Frank hatte auch in die Tasche gelangt und ihm eine Karte gegeben. Forner las:
 
»Heliogabalus Morpheus Edeward Franke.«
 
Er hielt einen Augenblick inne und brach dann lachend los:
 
»Aber, Gents (* Abkürzung von Gentlemen.), was sind das für sonderbare Namen, und was seid ihr doch für sonderbare Menschen! Meint ihr etwa, daß die aufrührerischen Indianer vor diesen euern Namen ausreißen werden? Ich sage euch, daß -  «
 
Er mußte innehalten, denn Rollins, der Bankier, fiel ihm in die Rede:
 
»Bitte, Master Forner, redet nichts, was diese Gentlemen beleidigen könnte. Ich habe zwar nicht die Ehre, sie persönlich zu kennen, aber ich weiß, daß sie Leute sind, vor denen Ihr Respekt haben müßt.«
 
Und sich dann direkt an den Hobble-  Frank wendend, fuhr er fort:
 
»Sir, Euer Name ist ein so ungewöhnlicher, daß ich ihn mir gemerkt habe. Ich bin der Bankier Rollins aus Brownsville in Arkansas. Wurden nicht vor einigen Jahren Gelder für Euch bei mir deponiert?«
 
»Ja, Sir, das ist richtig,« nickte Frank. »Ich vertraute es einem guten Freunde an, welcher es für mich bei Euch niederlegen mußte, weil Ihr mir von Old Shatterhand als sicher geschildert worden waret. Später konnte ich es nicht selbst erheben, sondern ließ es mir nach New York schicken.«
 
»Das stimmt, das stimmt!« fiel Rollins eifrig ein. »Old Shatterhand, ja, ja! Ihr hattet damals droben in der Nähe von Fillmore City, am Silbersee glaube ich, eine große Masse Gold gefunden. Ist's nicht so, Sir?«
 
»Ja,« lachte Frank vergnügt. »Es waren so einige Fingerhüte voll.«
 
Da sprang Forner von seinem Sitze auf und rief:
 
»Donnersturm! Ist das wahr, ist das möglich? Ihr seid mit da oben am Silbersee gewesen?«
 
»Gewiß. Und hier mein Vetter war auch dabei.«
 
»Wirklich, wirklich? Damals waren ja alle Zeitungen voll von der außerordentlichen Geschichte. Old Firehand, Old Shatterhand, Winnetou sind dabei gewesen, diese berühmten Kerls. Dann der dicke Jemmy, der lange Davy, der Hobble-  Frank, die Tante Droll! So kennt Ihr also diese Leute, Sir?«
 
»Natürlich kenne ich sie. Hier sitzt die Tante Droll, da neben mir, wenn Ihr es gütigst erlaubt.«
 
Er deutete bei diesen Worten auf seinen Gefährten, dieser zeigte auf ihn und erklärte:
 
»Und hier habt Ihr unsern Hobble-  Frank, wenn es nötig ist. Meint Ihr nun immer noch, daß wir Leute sind, welche den Westen noch nicht kennen?«
 
»Unglaublich, geradezu unglaublich! Aber es kann nicht sein! Die Tante Droll ist nie anders zu sehen, als in einem ganz sonderbaren Anzuge, in welchem man sie für eine Lady hält. Und der Hobble-  Frank trägt einen blauen Frack mit blanken Knöpfen und auf dem Kopfe einen großen Federhut!«
 
»Muß das immer sein? Darf man sich nicht anders kleiden? Meint Ihr, daß ein Anzug so unverwüstlich ist, daß er im wilden Westen jahrhundertelang getragen werden kann? Als Freunde und Gefährten von Old Shatterhand und Winnetou beliebt es uns jetzt, uns genau wie diese beiden Männer zu kleiden. Wenn Ihr uns nicht glaubt, so ist das Eure Sache; wir haben nichts dagegen.«
 
»Ich glaube es, Sir, ich glaube es! Ich habe ja gehört, daß man es der Tante Droll und dem Hobble-  Frank gar nicht ansehen soll, was für prächtige Kerls
 
 
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