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Werke von Karl May

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Gerechte Strafe 

prinz die beiden Revolver und die Munition ab und sagte: »Ihr steht unter einem mächtigen Schutze und braucht keine Waffen, während wir verteufelt schlecht bewaffnet sind. Ihr werdet uns also gewiß gern aushelfen. Und nun muß ich Euch etwas recht Lustiges sagen. Ihr habt dem Kantor auf all sein Bitten nicht den Gefallen gethan, ihn loszubinden -   -   -  «
 
»Das ist mir verboten worden!« fiel er rasch ein.
 
»Geht uns nichts an! Er ist natürlich sehr aufgebracht darüber und wünscht, Euch einmal fühlen zu lassen, wie es ist, wenn man an einem Baume hängt. Wir sind gutmütiger als Ihr und werden ihm diesen sehr bescheidenen Wunsch erfüllen.«
 
»Was meint ihr?« stotterte er ängstlich hervor. »Was soll das heißen? Wollt ihr etwa -   -   -  ?!«
 
»Euch anbinden? Ja.«
 
»Hört, das dulde ich nicht, Mesch'schurs!«
 
Er richtete sich möglichst stramm auf und gab sich Mühe, martialisch auszusehen. Da klopfte der Oelprinz ihm auf die Achsel und sagte lachend:
 
»Blast Euch nicht unnötig auf, Sir! Wir kennen Euch doch genau! Wir werden Euch anbinden. Wehrt Ihr Euch dagegen, so brauchen wir Gewalt, und Ihr kennt uns gut genug, um zu wissen, daß Ihr dann nicht wohl mit heiler Haut davonkommen werdet. Laßt Ihr es Euch aber gefallen, so reiten wir dann weiter, ohne uns ferner um Euch zu kümmern. Wir wollen dem Kantor den Willen thun, weiter nichts. Wenn wir dann fort sind, kann er Euch wieder losmachen. Also, was sagt Ihr zu der Sache?«
 
Er nahm eine drohende Haltung an und spielte mit seinem Messer. Buttler und Poller folgten diesem seinem Beispiele. Dem Bankier wurde es himmelangst. Daß er von diesen Leuten keine Schonung zu erwarten habe, das wußte er. Sein Stolz fühlte sich beleidigt; er, der Bankier, der Gentleman, sollte sich vor diesen Mördern und Betrügern demütigen; das ging ihm gegen den Strich, doch dachte er mit keinem Gedanken daran, sich zu weigern und ihnen Widerstand zu leisten. Am besten war es, klug zu sein und ihnen den Willen zu thun. Sie wollten ihn ja nur anbinden und dann fortgehen. Waren sie fort, so konnte der Kantor ihn sofort wieder freimachen. Darum zwang er seinen Grimm hinunter und sagte in einem Tone, als ob es ihm gar nicht schwer falle, auf den Scherz einzugehen:
 
»Was ich dazu sage? Nichts. Ob ich da an diesem Baume sitze oder anderswo, das ist mir gleich. Wenn es euch Spaß macht, diesem verrückten Menschen seinen noch verrückteren Wunsch zu erfüllen, so thut es. Mir fällt es nicht ein, mich deshalb mit euch herumzubalgen.«
 
»Das ist sehr verständig, höchst verständig von Euch,« grinste ihn der Oelprinz an. »Es ist allerdings eine ganz und gar verrückte Idee von ihm. Er hat sich über Euch geärgert und will Euch zur Strafe dafür am Baume sehen; das ist die Sache. Wir haben versprochen, ihm den Willen zu thun, und wenn wir es thun, so geschieht es nur der Form wegen und für ganz kurze Zeit. Mag also jetzt der Spaß beginnen!«
 
Er band den Kantor los. Rollins trat an den Baum, hielt seine Hände hin und sagte:
 
»Da, macht euch das billige Vergnügen, Mesch'schurs!«
 
Er hatte natürlich geglaubt, daß man ihn ebenso leicht binden werde, wie der Kantor gebunden gewesen war; aber er sollte sofort einsehen, wie groß sein Irrtum gewesen war. Poller ergriff ihn beim rechten und Buttler beim linken Arme. Sie rissen ihn mit einem so rücksichtslosen Ruck mit dem Rücken an den Baum, daß er laut aufschrie, und legten seine Arme rückwärts an den Stamm. Während sie sie da festhielten, band ihm der Oelprinz die Hände zusammen und antwortete:
 
»Ja, Mr. Rollins, das billige Vergnügen beginnt; aber Euch kann es leicht sehr teuer zu stehen kommen.«
 
»Thunderstorm!« fluchte der Bankier. »Was fällt euch denn ein? So haben wir nicht gewettet!«
 
»Ihr nicht, aber wir!«
 
»Ihr renkt mir ja alle Glieder aus!«
 
»Kann Euch gar nichts schaden; aber es wird gar nicht lange dauern. Wartet nur einen Augenblick und haltet den Kopf still, sonst schneide ich Euch die Ohren mit herunter!«
 
Er trennte ihm, der sich nun nicht zu wehren vermochte, auch wenn er es gewollt hätte, mit zwei, drei raschen Messerschnitten den Kragen vom Rocke.
 
»Sir, was thut Ihr da hinter mir?« fuhr Rollins auf. »Ich glaube gar, Ihr schneidet da an mir herum!«
 
»Ja, das thue ich allerdings,« lachte der Oelprinz; »aber es geht Euch nicht an das Leben, sondern nur einstweilen an den Kragen.«
 
Er trat vor ihn hin und hielt ihm den abgeschnittenen Teil des Rockes vor das Gesicht.
 
»Mein -   -   mein -   -   mein Kragen!« schrie der Bankier auf, indem ihm alles Blut aus dem Gesichte wich.
 
»Kragen? O nein! Ihr haltet das für einen Rockkragen? Das ist ein großer Irrtum von Euch. Ich sage Euch, daß ich hier eine ganz neumodische Tasche für Wertpapiere in meinen Händen halte.«
 
»Tasche -   -  Wertpapiere -   -   -  « stammelte der Getäuschte. »Was -   was -   -   was meint Ihr damit?«
 
»Werde es Euch augenblicklich zeigen.«
 
Er griff zwischen das Futter des Kragens, zog ein Papier hervor, faltete es auseinander, warf einen Blick darauf, hielt es dann dem Bankier vor das Gesicht und fuhr in triumphierendem Tone fort:
 
»Hier ist der Inhalt dieser prächtigen Tasche. Hoffentlich kennt Ihr das Papier. Es sollte für Euch ein Andenken sein, aber ich denke, daß ich es weit besser in Ehren zu halten verstehe als Ihr. So eine Schrift steckt man doch nicht in den Rockkragen, sondern man schafft sie hinunter nach Frisco, um sie dort mit gutem, klingendem Golde zu vertauschen.«
 
»Ihr seid ein Schurke, ein Räuber, ein -   ein -   ein -   -  «
 
Die Wut erstickte seine Stimme, so daß er kein Wort weiter hervorbrachte. Seine Lippen färbten sich blau und
 
 
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