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Werke von Karl May

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Gerechte Strafe 

Er trat mit den beiden Roten aus seinem Verstecke hervor und die beiden andern tauchten auch wieder wie aus der Erde auf. Der eine reichte ihm die Hand entgegen und sagte:
 
»Jetzt können wir off Ihren Gruß antworten. Guten Abend also und willkommen unter Freunden. Und damit Sie wissen, wer wir sind: Ich bin Herr Hehogabalus Morpheus Edeward Franke, genannt der Bärenjäger Hobble-  Frank. Und hier mein Freund und Kamerad is die sogenannte Tante Droll, alias Herr Sebastian Melchior Pampel.«
 
»Es freut mich, zwei so tüchtige Westmänner persönlich kennen zu lernen. Wollen Sie mich nach Ihrem Lagerführen?«
 
»Sehr gerne. Erlauben Sie mir, Ihr Cicero zu sein, aber sagen Sie mir dabei, wo eegentlich nun unser Kantor schteckt!«
 
»Er befindet sich in unserm Lager,« antwortete Wolf, »wir mußten ihn so lange festhalten, bis wir erfahren hatten, zu wem er gehörte.«
 
»Das kann ich Ihnen sagen: Unter die Narren gehört er. Der Mann hat uns schon sehr viel Unannehmlichkeeten und Emballagen bereitet.«
 
Als sie den Lagerplatz erreichten, befanden sich nur die Auswanderer mit ihren Frauen und Kindern dort; die andern waren fortgegangen, um nach dem Kantor zu suchen.
 
»Wie benachrichtigen wir sie nur?« fragte Frank. »Wir können sie doch nich holen, weil wir nich wissen, wo sie schtecken.«
 
»Schießen Sie ein Gewehr ab,« riet Wolf. »Da werden sie gleich kommen.«
 
»Aber es könnten doch feindliche Menschen sich in der Nähe befinden; die würden wir durch den Schuß anlocken.«
 
»Nein. Nun, da ich unser Lager und das Ihrige kenne, weiß ich sehr genau, daß wir nichts zu befürchten haben.«
 
Auf dieses Wort hin schoß Frank sein Gewehr ab. Dann horchten sie, ob sich das Geräusch der Nahenden bald hören lassen werde.
 
Die Auswanderer betrachteten die drei Ankömmlinge mit neugierigen Blicken; sie hatten vor den beiden Indianern erschrecken wollen, wurden aber durch den Umstand, daß Frank sie gebracht hatte, schnell beruhigt. Der Schuß brachte die beabsichtigte Wirkung hervor. Die Abwesenden kehrten in kurzer Zeit einer nach dem andern zurück. Es läßt sich denken, wie entzückt Adolf Wolf war, als sein Oheim sich ihm zu erkennen gab. Es gab eine Scene der Freude und der Rührung, an welcher auch die andern alle herzlichen Anteil nahmen. Gern hätten dann Onkel und Neffe sich von ihnen abgesondert, um über die Heimat, die Verwandten und über alles zu sprechen, was ihnen auf dem Herzen lag, doch gab es keine Zeit dazu; die Gefühle der einzelnen Personen mußten zurücktreten vor der Gefahr, in welcher sich alle befanden. Und da Wolf in diesem Augenblicke der Vertreter der Navajos war, so wurde er jetzt als solcher vor allen Dingen in Anspruch genommen.
 
Es waren ihm die Namen sämtlicher Anwesenden genannt worden, und er wendete sich zunächst an den Bankier:
 
»Wenn ich mich nicht irre, wurdet Ihr mir als Mr. Rollins aus Arkansas bezeichnet. Ist es so?«
 
»Ja, Sir,« antwortete der Gefragte.
 
»Seid Ihr etwa der Bankier dieses Namens?«
 
»Ja.«
 
»Habt eine Oelquelle gekauft?«
 
»Leider ja, die aber keine Oelquelle war.«
 
»Dachte es mir. Seid beschwindelt worden.«
 
»Und wie! Leider sind uns die drei Kerle entkommen. Ich hoffe aber, daß wir sie noch einholen werden.«
 
»Wollt sie also nicht laufen lassen?«
 
»Nein. Sie haben ja meine Anweisung bei sich und wollen nach Frisco hinunter, um sie dort in Gold umzusetzen.«
 
»Wenn's nur das ist, so laßt sie immer laufen!«
 
»So? Das ratet Ihr mir? Wie kommt Ihr auf diesen Gedanken?«
 
»Aus diesem Grunde hier. Wollt Ihr einmal sehen, was dies ist?«
 
Er zog einen Gegenstand aus der Tasche und reichte ihn Rollins hin. Als dieser einen Blick darauf geworfen hatte, rief er in froher Ueberraschung aus:
 
»Sir, was sehe ich da! Das ist ja meine Unterschrift, die Anweisung, welche ich in Grinleys Händen glaubte!«
 
»Wie Ihr seht, habt Ihr Euch da geirrt; er besitzt sie nicht mehr.«
 
»Sie ist's; sie ist es wirklich. Nun ist alles gut; nun habe ich diesen Verlust nicht mehr zu befürchten; das, was es mich bisher gekostet hat, will ich gar nicht rechnen.«
 
Dann mußte Wolf erzählen, wie er in den Besitz dieser Schrift gekommen sei.
 
Er that dies in kurzer Weise; als er dann sagte, daß Grinley, Buttler und Poller wieder umgekehrt seien, fragte Sam Hawkens:
 
»Wollen die Kerle etwa hinter Euch her, Mr. Wolf?«
 
»Natürlich, sie wollen die Gelegenheit, wenn ich mich einmal allein von den andern entferne, abwarten und mich überfallen, um mir das Papier wieder abzunehmen.«
 
»So ist es; so denke ich es mir auch. Soll ihnen aber nicht nur nicht gelingen, sondern sie werden sich dadurch in unsre Hände liefern.«
 
»Das hoffe ich auch.«
 
»Und dann werden wir kurzen Prozeß mit ihnen machen. Wenigstens entlaufen sollen sie uns gewiß nicht wieder. Wo habt ihr euch heut gelagert?«
 
»Eine Viertelstunde abwärts von hier am jenseitigen Ufer.«
 
»Denkt ihr, daß sie euch nahe sind?«
 
»Nein. Sie haben unsrer Fährte nur so lange, als es Tag war, folgen können; dann mußten sie warten. Wir haben also einen ziemlichen Vorsprung vor ihnen.«
 
»Schön, so fangen wir sie morgen.«
 
»Oder auch nicht!«
 
»Warum nicht?«
 
 
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