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| Werke von Karl May |
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| Der Schatz im Silbersee |
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| Das Vermächtnis der Inkas |
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| Der Ölprinz |
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| Der schwarze Mustang |
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Gerechte Strafe
»Wenn mich meine Vermutung nicht trügt, so kehren die drei Weißen, nachdem sie die Waffen bekommen haben, wieder um und folgen uns nach. Eine so hohe Summe gibt man nicht auf, ohne geradezu alles zu versuchen, sie wieder zu erhalten.«
»Du meinst, daß sie dich zwingen wollen, das Papier herauszugeben?« fragte der Häuptling.
»Ja.«
»Sie mögen kommen! Sie haben unser Lagerverlassen, und der Rauch des Kalummets kann sie also nicht mehr schützen. Sie würden unsre Kugeln schmecken.«
»Wenn wir sie sähen, ja. Sie werden sich aber hüten, sich sehen zu lassen, sondern uns im Verborgenen nachschleichen, um mich zu überfallen, wenn sich eine passende Gelegenheit dazu ergibt. Ich muß aus diesem Grunde zu meiner Sicherheit wissen, ob sie überhaupt umkehren. Darum bitte ich dich, einen berittenen Späher hinunter an den Fluß zu postieren.«
»Warum beritten?«
»Weil wir doch bald von hier aufbrechen und er uns ohne Pferd nicht leicht einholen könnte.«
Der Häuptling folgte diesem Rate, und dann konnte die Besprechung über den durch die Not so beschleunigten Zug gegen die Nijoras beginnen.
Eigentlich gab es gar nicht viel zu verhandeln. Es war zwar anzunehmen, daß Grinley, Buttler und Poller nicht die Wahrheit gesagt hatten in Beziehung dessen, was ihre Personen, ihre Absichten und Thaten betraf, aber daß sie gefangen gewesen waren, mußte geglaubt werden, weil sie keine Waffen gehabt hatten. Auch daß die Kundschafter der Navajos, Old Shatterhand und Winnetou nebst ihren Begleitern in die Hände der Nijoras geraten waren, durfte als wahr angenommen werden. Jedenfalls hatten die Nijoras auch Kundschafter ausgeschickt, und diese hatten das Lager der Navajos sicher erspäht, da sie von den Gegenkundschaftern nicht daran verhindert worden waren. Auf alle Fälle hatten die Nijoras beschlossen, zum Angriffe überzugehen, und diese Absicht war bestärkt worden durch die Flucht der drei Bleichgesichter, von denen die Nijoras sich sagen konnten, daß sie jedenfalls die Navajos aufgesucht hatten, um bei diesen Schutz zu suchen und sie zu benachrichtigen. Dies konnte nur durch einen schnellen Angriff wett gemacht werden, und so waren die Nijoras jedenfalls sofort gegen die Navajos aufgebrochen. Diese letzteren glaubten hinwiederum, den Angriff nicht abwarten zu sollen, sondern ihm zuvor- oder wenigstens entgegenzukommen. Darum rüsteten sie sich zum Aufbruche, welcher gerade in dem Augenblicke geschah, als die sechs Reiter zurückkehrten, welche Grinley, Buttler und Poller fortgeschafft hatten. Als sie befragt wurden, wie dieselben sich verhalten hätten, erklärten sie, daß die drei Weißen nach Empfang der Waffen und der Munition ruhig weiter geritten wären, ohne durch irgend etwas zu verraten, daß sie die Absicht hegten, umzukehren. Dennoch blieb der Späher unten am Flusse stehen und erhielt die Weisung, falls die Bleichgesichter zurückkehrten, sie erst vorüber zu lassen, eine Weile zu beobachten und sie dann in einem weiten Bogen zu umreiten, um seinen Kameraden nachzufolgen.
Der Zug ging natürlich am rechten Flußufer aufwärts, denn man hatte der Aussage des Oelprinzen, daß die Nijoras sich an diesem befänden, Glauben geschenkt; in Wirklichkeit kamen sie aber am linken herunter. Als der Tag sich zu Ende neigte, kam der Späher nach und meldete, daß die drei Weißen in der That umgekehrt seien und den Navajos auf deren Fährte folgten. Da man dies nun wußte, waren sie nicht zu fürchten.
Es wurde den ganzen Abend weiter geritten und erst gegen Mitternacht angehalten, da man nun, wie man fälschlicherweise annahm, jeden Augenblick auf die Nijoras treffen konnte. Man lagerte sich, brannte aber keine Feuer an, da diese zur Entdeckung führen konnten.
Eigentlich beabsichtigte man, nach rückwärts einige Posten auszustellen, um die drei Weißen abzuhalten; aber Wolf, auf den allein es diese doch abgesehen hatten, riet davon ab, da es nicht notwendig sei. Es stand mit Gewißheit zu erwarten, daß Buttler, Poller und Grinley nicht kommen würden, da es ihnen unmöglich gewesen war, in der Dunkelheit der Spur der Navajos zu folgen; der Mond war erst später aufgegangen.
Nach vorwärts aber wurden Wachen ausgestellt, denn das erforderte die allgemeine Sicherheit. Das Zelt des Häuptlings war aufgeschlagen worden, damit seine weiße Squaw in demselben schlafen könne. Sie hatte sich wohl auf die Decke hingestreckt, konnte aber aus Sorge für ihren Sohn keine Ruhe finden. Die Luft wurde ihr so schwül im Innern, daß sie nach einiger Zeit wieder aufstand und hinaus in das Freie ging.
Der Mond stand über den Uferbäumen und belächelte sein Bild, welches ihm aus dem hier schmalen, aber ziemlich tiefen Wasser des Flusses entgegenglänzte. Tiefe Stille herrschte ringsumher; nur zuweilen schnaubte eines der Pferde oder schlug mit dem Schwanze nach den Stechmücken, die es hier am Flusse gab; weiter war nichts zu hören. Wirklich weiter nichts? O doch, denn plötzlich klang es im Sechsachteltakte vom andern Ufer herüber:
»Fitifitifiti, fititi, fititi, fititi, fititi, fitifitifiti, fititi, fititi, ti!«
Die Indianer fuhren aus dem Schlafe empor und lauschten erstaunt. War das eine menschliche Stimme oder ein Instrument gewesen? Der Häuptling trat leise zu seiner Frau und fragte:
»Hast du es gehört? So etwas habe ich noch nie vernommen. Was mag es gewesen sein?«
»Es hat jemand die Violine nachgeahmt und einen Walzer geträllert,« antwortete sie.
»Violine? Walzer? Was ist das? Ich weiß es nicht.«
Sie wollte Auskunft geben, kam aber nicht dazu, denn es tönte von drüben herüber:
»Clililililili, lilili, lilili, Clililililili, lilili, lilili, lilili, li!«
»Das ist ja wieder anders!« flüsterte der Häuptling.
»Das war die Klarinette, welche nachgeahmt wurde.«
»Klarinette? Kenne ich nicht. Ich denke, daß da drüben- - - «
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