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| Werke von Karl May |
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| Der Schatz im Silbersee |
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| Das Vermächtnis der Inkas |
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| Der Ölprinz |
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| Der schwarze Mustang |
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Gerechte Strafe
»Das ist richtig; ich wollte sagen in der Nähe des Chelly.«
»Aber wo?«
»Am Gloomy- water «
»Ist auch nicht wahr.«
»O doch!«
»Sprich nicht dagegen. Es gibt keine Stelle, so groß wie meine Hand, die ich nicht betreten hätte. Es gibt kein Oel in dieser Gegend. Du bist ein Betrüger!«
»Donner und Wetter!« fuhr da der Oelprinz auf. »Soll ich mir - - - «
»Schweig!« fiel der Häuptling ihm in die Rede. »Ich habe es euch gleich angesehen, daß ihr keine ehrlichen Männer seid, und habe nur darum das Kalummet geraucht, weil ich dazu gedrängt wurde.«
»So willst du wohl eine Ausrede machen, um dein Wort brechen zu können?«
Der »Große Donner« machte eine unnachahmlich stolze Handbewegung und antwortete, indem ein höchst geringschätzendes Lächeln über sein Gesicht glitt:
»Solcher Menschen wegen, wir ihr seid, soll mir kein Mann nachsagen, daß ich mein Wort nicht gehalten habe.«
»So gebt uns Waffen, Munition und Fleisch, und laßt uns ziehen! Und gib mir mein Papier zurück! Warum hast du es eingesteckt?«
»Ich habe es nicht dir zurückzugeben, sondern dem, von welchem ich es genommen habe. Du hast das Bleichgesicht, welches die Oelquelle kaufte, in der kein Oel vorhanden ist, um dieses Geld betrogen. Der >Wolf< wird wissen, was er zu thun hat.«
Er zog das Papier aus dem Gürtel und gab es Wolf mit einem bezeichnenden Winke zurück. Dieser schob es schnell in seine Tasche.
»Halt!« rief Grinley, indem seine Augen zornig blitzten. »Das Papier gehört mir!«
»Ja,« nickte Wolf, indem er ein sehr behagliches Lächeln zeigte.
»Also her damit!«
»Nein,« antwortete Wolf mit demselben behaglichen Lächeln.
»Warum nicht? Wollt Ihr an mir zum Diebe werden?«
»Nein.«
»Dann heraus damit!«
»Nein.«
»So seid Ihr ja ein Dieb, und ich - - - «
Da fiel Wolf ihm in einem ganz andern Tone in die Rede:
»Mäßigt Euch, Mr. Grinley! Wenn Ihr mich beleidigt, ist's um Euch geschehen. Ich bin kein Dieb.«
»Warum behaltet Ihr denn diese Anweisung, welche mir gehört?«
»Weil uns manches in eurer Erzählung nicht einleuchten will und weil ihr gar so rasch von hier fort wollt. Leute, welche mit genauer Not der Gefangenschaft und dem Tode entronnen sind, bedürfen der Ruhe und der Pflege. Dies könntet ihr hier haben; ihr wollt aber fort. Sodann würde jeder andre an eurer Stelle sich uns auf unserm Zuge gegen die Nijoras anschließen, um sich zu rächen; auch das wollt ihr nicht. Ihr wollt nur fort, nur fort, und zwar sehr schnell. Das sieht natürlich ganz so aus, als ob ihr vor jemand, der hinter euch her kommt, eine gewaltige Angst hättet.«
»Was wir denken und wollen, das geht Euch nichts an,« antwortete der Oelprinz protzig. »Ich habe mit dem Häuptling und durch ihn mit allen den Seinen die Pfeife des Friedens geraucht; er muß seine Versprechungen erfüllen, und es darf mir nichts genommen werden.«
»Ganz richtig, Sir! Der >Große Donner< wird sein Wort ganz gewiß halten.«
»So gebt das Papier heraus!«
»Ich? Fällt mir nicht ein! Ich will es keineswegs stehlen, sondern nur aufheben.«
»Hölle und Teufel! Für wen?«
»Für diejenigen, welche nach euch kommen.« Und als der Oelprinz zornig aufbrausen wollte, schnitt er ihm das Wort mit dem sehr energischen Zurufe ab. »Haltet den Mund! Glaubt ja nicht, daß Ihr der Mann seid, von dem ich mich einschüchtern lasse! Wenn ihr ehrliche Leute seid, so könnt ihr ruhig bei uns bleiben. Ob ihr euch das Geld drei oder vier Tage früher oder später auszahlen laßt, das kann euch nicht an den Bettelstab bringen. Ich will euch sagen, was ich denke. Im ersten Augenblicke habe ich euch für Gentlemen gehalten; damit ist es aber vorüber, seit ich eure famose Erzählung gehört habe.«
»Sie ist wahr!«
»Unsinn! Ihr sagt, Old Shatterhand, Winnetou, Sam Hawkens und andre seien mit euch gefangen gewesen? Und ihr seid allein entkommen! Mr. Grinley, das ist außerordentlich auffällig. Ihr habt da Männer genannt, welche weit eher entkommen würden, als ihr. Vielleicht habt ihr sie in die Hände der Nijoras gespielt. Das mag nun freilich sein, wie es will; Winnetou und Old Shatterhand sind Leute, die für sich selber sorgen werden. Für mich ist die Hauptsache jetzt diese Anweisung. Wir werden die Gefangenen befreien und also mit ihnen zusammen kommen; oder sie befreien sich selbst und kommen hinter euch her; auch in diesem Falle treffen wir auf sie. Da werden wir natürlich diesen Bankier Mr. Rollins sehen und ihm die Anweisung zeigen. Ist Eure Sache eine ehrliche, so könnt Ihr getrost bei uns bleiben; seid Ihr aber ein Betrüger, so habt Ihr Euch dieses Mal umsonst bemüht.«
Da sprang der Oelprinz vom Boden auf und schrie:
»Das wollt Ihr thun? Das sagt Ihr mir? So wollt Ihr an mir handeln? Was geht es Euch an, daß ich schnell weiter muß! Habe ich nötig, Euch meine Gründe zu sagen? Ich bleibe dabei: die Friedenspfeife ist geraucht worden und niemand darf mich hier festhalten!«
»Das wird auch kein Mensch thun!« antwortete Wolf ruhig.
»Und ich muß bekommen, was man mir versprochen hat!«
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