Karl May Reiseromane       Goethe Bildungsromane
Impressum | Datenschutz

Werke von Karl May

Werke von Karl May
Home
Der Schatz im Silbersee
Der schwarze Panther
Die Tramps
Nächtliche Kämpfe
Der Vergeltung entronnen
Indianisches Meisterstück
Ein Parforceritt im Finstern
Im Kampf um Butlers Farm
Ein Drama auf der Prairie
List und Gegenlist
Am Eagle-tail
In der Klemme
Auf Tod und Leben
Edelmut Old Shatterhands
Gefangen und befreit
Eine Indianerschlacht
Am Silbersee
Das Vermächtnis der Inkas
Vater Jaguar
Die Gigantochelonia
El Hijo del Inka
Eine Urwaldschlacht
In der Mordschlucht
Der Ölprinz
Das Kleeblatt
Im Mogollongebirge
Am Petroleumsee
Gerechte Strafe
Der schwarze Mustang
Im Firwood-Camp
Nach dem Rocky-Ground
Der Ueberfall
Die Bonanza of Hoaka
 
 

Gerechte Strafe 

und die Hand vom Sattel weg und sagte in möglichst ruhigem Tone:
 
»Ganz, wie du willst! Wir sehen ein, daß wir in eure Hände gegeben sind, und müssen uns fügen; aber alle eure Gewehre sollen uns nicht zwingen, euch die Botschaft mitzuteilen, welche wir euch bringen wollten.«
 
»Die Botschaft? Ich kenne sie.«
 
»Nein!«
 
»Pshaw! Ihr wolltet mir sagen, daß die Hunde von Nijoras das Kriegsbeil gegen uns ausgegraben haben.«
 
»Nein. Das brauchen wir dir nicht zu sagen, denn das weißt du schon.«
 
»So wolltet ihr mir melden, daß sie schon aus ihren Hütten aufgebrochen sind. Aber dazu brauche ich euch nicht, denn ich habe Kundschafter ausgesandt, welche mich zur rechten Zeit benachrichtigen werden.«
 
»Da irrst du dich. Deine Kundschafter können dir keine Nachricht bringen.«
 
»Warum?«
 
»Weil sie gefangen sind.«
 
»Gefangen? Bei wem?«
 
»Eben bei den Nijoras.«
 
»Das ist eine Lüge! Ich habe die erfahrensten, die klügsten Männer ausgewählt, denen es nicht einfallen wird, sich ergreifen zu lassen. Ich durchschaue dich; ich errate alle deine Gedanken!«
 
»So? Wärst du wirklich so klug, dahin blicken zu können, wo meine Gedanken wohnen?«
 
»Ja. Du weißt, daß man Kundschafter aussendet, und kannst dir denken, daß wir dies auch gethan haben. Darum redest du von unsern Spähern, ohne aber etwas von ihnen zu wissen.«
 
»Meinst du? Es wäre allerdings besser für euch, wenn das, was ich weiß, nicht geschehen wäre. Ich will dir zeigen, in welchem Irrtum du dich befindest. Du hast zehn Späher ausgeschickt, deren Anführer Khasti-  tine war. Ist es so oder nicht?«
 
»Uff! Es ist so,« gestand der Häuptling erstaunt.
 
»So höre weiter! Khasti-  tine wurde mit noch einem Krieger erschossen -   -   -  «
 
»Uff, uff! Von wem?«
 
»Von Mokaschi, dem Häuptling der Nijoras, eigenhändig; die andern acht wurden gefangen genommen, gerade so wie wir.«
 
»Gerade so wie ihr? Auch ihr seid in die Hände der Nijoras gefallen gewesen?«
 
»Ja, Es gelang uns, zu entfliehen, doch ohne Waffen, die man uns abgenommen hatte. Darum sind wir unbewaffnet hier angekommen. Du hältst uns aus diesem Grunde für Feiglinge. Wie nennst du da deine Kundschafter, die ihre Waffen auch hergeben mußten und nicht die Klugheit und Thatkraft besaßen, sich einen Weg zur Flucht zu öffnen?«
 
»uff, uff, uff!« rief der Häuptling. »Meine Späher gefangen und Khasti-  tine erschossen! Das erfordert Rache! Wir müssen sofort aufbrechen, um diese Hunde von Nijoras zu überfallen. Wir -   -  «
 
Er war außerordentlich aufgeregt, ganz gegen die sonstige Indianerruhe, und wollte in sein Zelt, um seine Waffen zu holen. Da ergriff Wolf, welcher bisher geschwiegen hatte, ihn beim Arm und sagte:
 
»Halt, warte noch! Du mußt doch erfahren, wo die Nijoras sich befinden, wenn du sie überfallen willst. Das werden dir diese Männer sagen. Sie wissen auch noch andre Dinge, welche sogar noch viel, viel wichtiger sind.«
 
»Noch wichtiger?« fragte der Häuptling, indem er sich wieder umwendete. »Was kann wichtiger sein, als daß Khasti-  tine tot ist und unsre Kundschafter gefangen genommen worden sind?«
 
»Schi-  So ist auch gefangen!«
 
»Schi -   -   -   Schi-  Schi-   -   -  «
 
Er wollte den Namen seines Sohnes vollständig aussprechen, brachte aber nur die erste Hälfte desselben über die Lippen. Dann stand er steif, als ob er zu Stein geworden sei, und nur seine rollenden Augen zeigten, daß Leben in ihm war. Seine Krieger drängten sich näher herbei, doch ließ keiner einen Laut hören. Der Oelprinz sah ein, daß er den jetzigen Augenblick für sich ausnützen müsse, und sagte also mit weithin hörbarer Stimme:
 
»Ja, so ist es; Schi-  So ist auch gefangen. Er soll am Marterpfahle sterben.«
 
»Und mein Neffe Adolf, welcher mit ihm aus Deutschland gekommen ist, befindet sich auch in der Gewalt der Nijoras.« fügte Wolf hinzu.
 
Da kehrte dem Häuptling die Fassung zurück. Er besann sich, daß es doch unter seiner Würde sei, merken zu lassen, wie sehr die Nachricht ihn getroffen hatte; darum zwang er sich zu äußerlicher Ruhe und fragte:
 
»Schi-  So gefangen? Wißt Ihr das genau?«
 
»Sehr genau,« antwortete der Oelprinz. »Wir haben nicht nur in seiner Nähe gefesselt gelegen, sondern sogar mit ihm und allen seinen Begleitern gesprochen.«
 
»Wer befand sich bei ihm?«
 
»Ein junger Freund von ihm, welcher Wolf heißt, mehrere deutsche Familien, welche von drüben ausgewandert sind, und sodann eine ganze Schar berühmter Westmänner, von denen Ihr gewiß nicht denken werdet, daß sie sich so leicht gefangen nehmen lassen.«
 
»Wer sind diese Männer?«
 
»Old Shatterhand -   -   -  «
 
»Old Shat -   -   -   uff, uff!«
 
»Ferner Winnetou.«
 
»Der größte Häuptling der Apachen? Uff, uff, uff!«
 
»Sam Hawkens, Dick Stone, Will Parker, Droll, der Hobble-  Frank, gewiß lauter Leute, welche du nicht zu den Feiglingen zählen wirst.«
 
Es erklangen rundum laute Rufe des Erstaunens, ja des Schreckens; dadurch fand der Häuptling Zeit, sich zu fassen, denn die Selbstbeherrschung hatte ihm abermals vergehen wollen. Er schob die ihm im Wege Stehenden auseinander und eilte in sein Zelt. Man hörte seine Stimme und diejenige seiner weißen Frau; dann kamen beide heraus, und die letztere rief, sich an die drei Bleichgesichter wendend:
 
»Ist es möglich, ist es wahr? Mein
 
 
Seiten
1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13  14  15  16  17  18  19  20  21  22  23  24  25  26  27  28  29  30  31  32  33  34  35  36  37  38  39  40  41  42  43  44  45  46  47  48  49  50  51  52  53  54  55  56  57  58  59  60  61  62  63  64  65  66  67  68  69  70  71  72  73  74  75  76  77  78  79