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Werke von Karl May

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Eine Urwaldschlacht 

"So meinst du, daß wir allein reiten?"
 
"Ja."
 
"Ich halte es aber für besser, einige Begleiter mitzunehmen."
 
"Warum?"
 
"Wegen der Gefährlichkeit der Gegend."
 
"Du bist doch früher auch allein dort gewesen!"
 
"Daß ich niemand bei mir hatte, war Zufall. Zudem wissen wir nicht, was uns bevorsteht. Vielleicht erfordert die Hebung des Schatzes so viel Arbeit, daß wir sie gar nicht allein zu verrichten vermögen."
 
"Jener Indianer aber hat sie ganz allein verrichtet!"
 
"Weil es seine Absicht war, nur. einzelne Gegenstände, nicht aber den ganzen Schatz mitzunehmen. Wir brauchen also höchst wahrscheinlich Arbeitskräfte."
 
"Mit denen wir teilen müßten!"
 
"Nein."
 
"Wie? Nicht? Kein Mensch würde uns helfen, ohne seinen Anteil zu verlangen."
 
"Das ist wohl richtig; aber es würde niemand etwas bekommen."
 
"Wie meinst du das?"
 
"Das errätst du nicht? Ja, ein jeder würde nach gethaner Arbeit etwas erhalten, nämlich eine Kugel oder einen Messerstich."
 
"Ah, denkst du so! Das ist freilich etwas andres. Damit wäre ich sofort einverstanden."
 
"Schön! Also gehen wir nicht allein?"
 
"Nein. Wenn du so willst, so können wir Hilfskräfte mitnehmen, ohne sie bezahlen zu müssen."
 
"So ist es geraten, gleich jetzt diejenigen zu bestimmen, welche wir auffordern werden, uns zu begleiten. Etwa die Soldaten, welche sich bei uns befinden?"
 
"Fällt mir nicht ein!"
 
"Oder einige Abipones?"
 
"Auch nicht."
 
"Wen sonst?"
 
"Warum denn überhaupt von denen, die jetzt bei uns sind, welche auswählen? Der Weg nach der Mordschlucht ist weit, und wir legen ihn viel leichter und schneller zurück, wenn wir ganz allein reiten. Die Weißen will ich übrigens schon deshalb nicht mitnehmen, weil ich sie dann nicht gern erschießen mag. Müssen einige Indianer ins Gras beißen, so nehme ich mir das viel weniger zu Herzen. Und die Abipones können wir aus dem Grunde nicht brauchen, weil wir durch Gegenden kommen werden, in denen Indianerstämme hausen, die ihnen feindlich gesinnt sind. Wir würden dadurch uns selbst in Gefahr begeben. Wir reiten allein bis über die Grenze der weißen Bevölkerung und engagieren uns dann eine Schar Roter, mag der Stamm, zu welchem sie gehören, heißen, wie er will. Brauchen wir sie dann nicht mehr, nun, so genügen einige Schüsse, uns von ihnen zu befreien. Man kann diesen Zweck übrigens auch auf noch andre Arten und Weisen erreichen."
 
"Ganz richtig; aber es fragt sich nur, ob es uns gelingen wird, von unsern jetzigen Begleitern loszukommen."
 
"Warum sollte das nicht gelingen? Wir sprechen jetzt überhaupt nur von dem Falle, daß wir von den Cambas geschlagen werden. Je mehr von unsern Leuten da fallen, desto lieber kann es uns sein. Die übrigen werden nach allen Richtungen davonlaufen und sich sehr wahrscheinlich gar nicht um uns kümmern."
 
"Ich denke aber doch, daß wenigstens die Soldaten sich zu dem Anführer halten werden, und der bist du, wie du ihnen heute abend gesagt hast. Wie werden wir sie los? Nehmen wir den Fall, daß dieser Kapitän Pellejo, welcher sich vorhin so beleidigt fühlte, sich an uns klammert."
 
"Dann bekommt der Kerl eine Kugel. Es ist eigentlich lächerlich, mit solcher -   fast möchte ich es Sicherheit nennen, anzunehmen, daß unser jetziger Zug verunglücken wird. Das rätselhafte Verschwinden unsrer Gefangenen hat uns besorgt gemacht und auf dumme Gedanken gebracht. Wir haben eine Maus in einen Elefanten verwandelt. Warten wir ganz ruhig ab, was morgen geschieht. Was darauf folgt, das wird sich finden."
 
Er erhob sich jetzt von seinem Platze, um die Umgebung zu durchforschen, konnte aber nichts bemerken, woraus er auf die Anwesenheit eines Feindes hätte schließen müssen. Darum legte er sich befriedigt und beruhigt nieder.
 
Kaum graute der nächste Tag, so wurden die Schläfer geweckt, da sehr zeitig aufgebrochen werden sollte. Diejenigen Abipones, welche als Führer dienten, weil sie die Gegend kannten, wußten genau, in welcher Richtung das Thal des ausgetrockneten Sees zu suchen war. Sie schlugen dieselbe ein. Sie befanden sich an der Spitze des Zuges, und der Gambusino hielt sich mit Antonio Perillo zu ihnen, um etwaige Spuren sofort zu entdecken. Er ritt bald nach rechts, bald nach links von der geraden Linie ab, konnte aber nichts Befremdendes entdecken, weil der Vater Jaguar so vorsichtig gewesen war, sich mit seinen Begleitern weiter südlich zu halten.
 
Da von achthundert Kriegern nur fünfzig beritten waren, kam beinahe der Mittag heran, bevor in der Ferne der undurchdringliche Wald erschien, welcher das Thal des ausgetrockneten Sees nach beiden Seiten flankierte. Als der Gambusino die dunkle Linie desselben erblickte, winkte er den "tapfern Arm", den Häuptling der Abipones zu sich heran und fragte: "Ist das der Wald, in welchem das Thal liegt, durch welches wir müssen?"
 
"Ja, Señor," antwortete der Rote.
 
"Und wir können nicht zur Seite ausweichen?"
 
"Wir können es, wenn wir den Wald ganz umgehen; aber das würde viele, viele Zeit erfordern."
 
"Die haben wir nicht übrig, denn wir müssen heute abend beim Dorfe der Cambas ankommen, um in der Nacht über dasselbe herfallen zu können. In diesem Thale gibt es Wasser?"
 
"Fließendes Wasser, welches sich in einen kleinen See ergießt."
 
"So machen wir da Halt, um uns auszuruhen."
 
Diese Worte hörte auch der Hauptmann Pellejo, welcher jetzt an die Spitze des Zuges gekommen war und mit nachdenklichem Blicke den Wald musterte. Als Militär fühlte er sich zu der Bemerkung veranlaßt: "Señor, das vor uns liegende Terrain fordert uns zur Vorsicht auf. Wir können weder nach rechts noch nach links weichen und müssen durch ein Thal, dessen Wände wohl nicht niedrig sind. Wie nun, wenn der Feind uns in demselben erwartet?"
 
"So würde ich mich außerordentlich über diese seine Unvorsichtigkeit freuen," antwortete der Gambusino in wegwerfendem Tone. "Wir würden in das Thal dringen und ihn, der nicht entkommen könnte, einfach niederrennen."
 
"Das ist leichter gesagt als gethan, und ich möchte raten, in diesem -   -  "
 
"Ich habe noch keinen Menschen um Rat gefragt, auch Sie nicht!" fiel ihm der andre barsch in die Rede. "Behalten Sie Ihre Meinung gefälligst so lange für
 
 
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