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Werke von Karl May

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Eine Urwaldschlacht 

Häuptling wendete sich an Doktor Morgenstern und sagte, indem er nach dem Wasser deutete: "Das ist El Pantano de los Huesos, der Sumpf der Knochen, von dem ich Ihnen gesagt habe, Señor!"
 
"Das ist er?" antwortete der Kleine, von den Worten des Roten wie elektrisiert. "Kann man die Knochen sehen?"
 
"Viele sind vermodert; diejenigen aber, welche zuletzt gefunden worden sind, werden noch daliegen."
 
"So muß ich hin, sie zu betrachten. Wir müssen halten. Hören Sie, Señores, halten, halten!"
 
Er hielt sein Pferd an und rief die letzten Worte so laut, daß sie vom Anfang bis zum Ende des Zuges zu hören waren.
 
"Das geht nicht,"antwortete der Vater Jaguar."Wir können Ihrer alten Knochen wegen nicht unsre kostbare Zeit verlieren."
 
"O, die Knochen sind weit kostbarer als die Zeit, von der Sie sprechen. Wenn Sie nicht warten wollen, so komme ich nach; aber sehen muß ich die Knochen; eher zieht mich kein Elefant von hier fort!"
 
Hammer sah ein, daß es besser sei, eine kleine Rücksicht zu hegen, und antwortete darum. "Gut, so bleiben Sie, aber ja nicht länger als höchstens eine halbe Stunde; dann müssen Sie doppelt schnell reiten, um uns einzuholen. Der Häuptling mag Ihnen einen seiner Leute als Führer geben."
 
Jetzt gab sich der Kleine zufrieden. Er bekam einen der vier Cambas, welcher den Sumpf kannte und den Ort wußte, an welchem die Knochen zu sehen waren. Selbstverständlich blieb Fritze auch mit zurück; er wäre ohne seinen lieben Herrn keinen einzigen Schritt weitergeritten. Der Zug entfernte sich und die drei waren nun allein.
 
Der Camba ritt auf das Wasser zu und wußte dabei alle trügerischen Stellen wohl zu vermeiden. Dort stieg er ab und band sein Pferd an einen Strauch. Dabei sagte er etwas, was jedenfalls eine Aufforderung an die beiden andern sein sollte, das gleiche zu thun, doch verstanden sie ihn nicht, da er sich seiner Sprache bediente, deren sie nicht mächtig waren. Es stellte sich nun heraus, daß dieser Mann zwar den "Sumpf der Knochen" genau kannte, dafür aber nur sehr wenige Worte spanisch verstand.
 
"Dat kann jut werden," meinte Fritze, indem er sich vom Pferde schwang, um es anzubinden und dann seinem Herrn zu helfen, auch aus dem Sattel zu kommen. "Jetzt verstehen wir kein Chinesisch, und dieser Herr Jevatter ist nicht aufs Türkische einjeübt. lk bin bejierig, wat dat for ein inniges Verständnis ergeben wird."
 
"Wir werden uns durch Pantomimen verständigen," tröstete ihn der Doktor. "Mit Pantomimen kommt man durch die ganze Welt. Diese Erfahrung, lateinisch Peritia geheißen, habe ich schon oft gemacht."
 
"Aber wenn ik nun die richtige Pantomime am falschen Orte, oder die falsche Pantomime am richtigen Orte anwende?"
 
"Du scheinst in Beziehung auf Zeichen und Gestikulationen freilich noch ziemlich unerfahren zu sein. Achte nur auf mich, dann braucht dieser gute Mann nicht unsre und wir brauchen nicht seine Sprache zu verstehen."
 
Als der Rote sah, daß die beiden ihre Pferde angebunden hatten, winkte er ihnen, ihm zu folgen, und schritt in das Schilf hinein, wo, wie man deutlich sah, vor ihm schon andre gegangen waren. Dabei deutete er nach rechts und links in die Schilfdichtung und sagte:
 
"Precancion -   Cocodrilos -   Vorsicht -   Krokodile!"
 
"Wat? Hier sollen Krokodile sind?" meinte Fritze. "Da müßte man doch wat von sie sehen. Mir soll er nicht bange machen."
 
Aber kaum hatte er diese Worte gesagt, so sprang er mit einem Schreckensrufe zur Seite, denn ganz nahe neben ihm kam der Kopf eines solchen Tieres aus dem Schilfe zum Vorscheine. Es glotzte ihn aus den kleinen Augen an, und schlug die offenen Kiefer zusammen, daß es einen Ton gab, als ob zwei Bretter zusammengeklappt wurden.
 
"Er hat wirklich recht," fuhr er fort, als er sich in Sicherheit befand. "Wenn wir nur nicht für die vorsündflutlichen Knochen unsre eijenen herjeben müssen!"
 
"Fürchte dich nicht," meinte sein Herr, welcher, sobald es sich um sein Lieblingsobjekt handelte, allerdings keine Furcht kannte. "Diese Tiere sind viel zu träge, als daß sie uns belästigen könnten. Sie riechen schlecht; das ist das einzige an ihnen, was unangenehm ist."
 
"Na, der Rachen mit die Zähne ist auch nicht anjenehm. lk meinesteils will sonne Kreatur lieber riechen, als von ihr jefressen werden."
 
 
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