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Werke von Karl May

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Eine Urwaldschlacht 

"Denken Sie an die Verfolgungen, welche wir erlitten haben!"
 
"Ihr? Davon weiß ich nichts. Euern Vorfahren stellte man nach mit Feuer, Schwert und Gift; das ist wahr. Seitdem haben sich die Zeiten geändert, und kein Mensch wird euch eurer Abstammung wegen nach dem Leben trachten."
 
"Das denken wohl Sie; wir aber sind vom Gegenteil überzeugt."
 
"So hast du einen besonderen Grund zur Vorsicht und Verschwiegenheit. Der Umstand, daß Hauka ein Kind des Inka ist, bringt ihn in keine Gefahr; aber gefährlich könnte ihm etwas andres werden."
 
"Was wäre das, Señor?"
 
"Wenn ihr infolge seiner Abstammung gewisse Hoffnungen hegtet, welche niemals in Erfüllung gehen können."
 
"Nie? Wirklich nie?"
 
"Niemals, sage ich euch! Ihr lebt in euern Erinnerungen und wißt nichts von der übrigen Welt, von dem Leben. Ihr träumt. Laßt diesen Traum einen Traum bleiben, da er nie zur Wirklichkeit werden kann! Das ist es, was ich euch sagen will. Weiter in euch zu dringen, habe ich weder die Absicht, noch das Recht. Ich wollte etwas andres erfahren. Was ist es mit der Spange? Ich bin überzeugt, daß du richtig geraten hast, daß der Tote, dessen Skalp Antonio Perillo besitzt, dein Bekannter war. Wer ist dieser Mann gewesen?"
 
Anciano zögerte zu antworten, darum fügte der Vater Jaguar hinzu:
 
"Ich frage in einer bestimmten Absicht und nicht etwa aus müßiger Neugierde. Eine Antwort würde für dich wahrscheinlich von Vorteil sein."
 
"Wollte ich antworten, so müßte ich Ihnen eben unser Geheimnis mitteilen."
 
"Es würde euch nichts schaden, wenn du das thätest; doch wenn du das Schweigen für besser hältst, so habe ich nichts dagegen. Sage mir wenigstens, wo der Betreffende den Tod gefunden hat."
 
"Ich kenne den Ort nicht genau."
 
"Auch nicht die Gegend im allgemeinen?"
 
"Die weiß ich allerdings; sie wird Ihnen aber unbekannt sein."
 
"Was das betrifft, so bin ich weiter herumgekommen, als du denkst."
 
"So sagen Sie, ist Ihnen ein Ort bekannt, welchen man die Barranca del Homicidio (* Mordschlucht) nennt?"
 
"Nicht nur bekannt, sondern ich bin zweimal dort gewesen. Ich stieg von der Salina del Condor hinauf."
 
"Ja, von der Salina del Condor. Sie liegt nicht weit davon, und ich war viele, viele Male dort."
 
"Und du bist überzeugt, daß dein Bekannter seinen Tod dort gefunden hat?"
 
"Ja."
 
"Welchen Grund hast du dazu?"
 
"Ich begleitete ihn bis in die Nähe und mußte zurückbleiben, um auf ihn zu warten; er wollte das so; er befahl es mir."
 
"Ah, er befahl es dir? Wer befiehlt, ist der Herr, und wer gehorcht, ist der Untergebene, der Diener. Du wartetest wohl vergeblich auf seine Wiederkehr?"
 
"Ja. Ich wartete zwei volle Tage lang. Dann wurde es mir angst um ihn. Ich ging ihm nach bis an den Ort, den er hatte aufsuchen wollen. Ich sah ihn nicht und fand ihn nicht. Ich suchte in allen Thälern und Schluchten, auf allen Bergen und Höhen. Ich ging heim und holte meine Freunde, damit sie mir helfen sollten, nachzuforschen; es war alles vergeblich. Wir suchten wochenlang und mondenlang, ohne das kleinste Zeichen von ihm zu entdecken. Er mußte verunglückt sein. Heute früh habe ich die erste Spur gefunden. Er soll im Kampfe gefallen sein; aber ich bin überzeugt, daß er ermordet worden ist."
 
"Glaubst du nur deshalb an einen Mord, weil du ihn für unüberwindlich gehalten hast? Oder wüßtest du noch einen weiteren Grund?"
 
"Ja, ich habe einen."
 
"Welchen?"
 
"Er hatte Gegenstände bei sich, welche geeignet waren, die Habsucht anzulocken."
 
"Welcher Art Gegenstände waren das?"
 
"Das darf ich nicht sagen."
 
"Du hast es nicht nötig, denn ich weiß es doch. Es war Gold."
 
"Señor!" fuhr Anciano auf. "Wie kommen Sie zu dieser Vermutung?"
 
"Es ist keine Vermutung, sondern die festeste Ueberzeugung. Der Mann trug Gegenstände bei sich, welche aus der Zeit der Inkas stammten und aus Gold oder Silber gefertigt waren."
 
"Wie könnten Sie das wissen?"
 
"Das will ich dir sagen. Ich will aufrichtiger mit dir sein, als du gegen mich bist."
 
Er wollte weiter sprechen, da aber bemerkte Haukaropora, welcher bis jetzt geschwiegen hatte, in eifriger Weise:
 
"Anciano, du beleidigst den Señor. Er ist unser Freund und verdient es nicht, daß wir ihm Mißtrauen zeigen. Wenn wir ihm alles sagen, wird er keinem Menschen etwas davon mitteilen."
 
"Du hast recht. Von mir wird niemand etwas erfahren," antwortete Hammer. "Aber was ihr mir mitteilen könntet, das habe ich schon beinahe erraten. Ich will euch etwas zeigen."
 
Er öffnete sein Lederkoller und zog einen kleinen, goldglänzenden Gegenstand hervor, den er an einer Schnur am Halse hängen hatte. Er band ihn los und reichte ihn Anciano hin. Es war eine kleine, außerordentlich kunstvoll gearbeitete Schale, welche einen Durchmesser von höchstens drei Zoll besaß.
 
"Ein Taubecher!" rief Anciano betroffen aus. "In dieser Schale wurde der Morgentau aus den Kelchen der Tempelblumen gesammelt und der Sonne, damit sie ihn trinken möge, zum Opfer gebracht."
 
"Das wußte ich nicht. Der Zweck dieser Schale war mir unbekannt," antwortete der Vater Jaguar.
 
"Señor, es ist ein heiliges, ein sehr heiliges Gefäß!"
 
"Das weißt du so bestimmt? Damit beweisest du, daß deine Vorfahren Peruaner waren."
 
"Ja, das waren sie," gestand der Alte.
 
"Die meinigen waren die Herrscher des Volkes," fügte Haukaropora hinzu. "Ich bin der einzige Nachkomme von ihnen, und nur sehr wenige treue Menschen wissen davon."
 
"Ich dachte es. Du besitzest die verborgenen Schätze deiner Ahnen?"
 
"Warum fragen Sie so?"
 
"Diese Opferschale sagt es mir."
 
"Woher haben Sie dieselbe?" fragte Anciano. "Wie sind Sie in den Besitz derselben gelangt?"
 
"Ich habe sie gefunden."
 
"Wo?"
 
"Zwischen der Salina del Condor und der Barranca del Homicidio."
 
"Dort, also dort! Welch eine Entdeckung! Wann ist das gewesen?"
 
"Vor fünf Jahren."
 
"In welcher Mondeszeit? Können Sie sich darauf besinnen?"
 
"Ganz genau. Es war am Tage nach dem Vollmonde."
 
"Das ist richtig, wie es gar nicht richtiger sein kann. Nur in der Nacht
 
 
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