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Werke von Karl May

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Ein Drama auf der Prairie 

"Und seid Ihr überzeugt, daß Ihr in Sheridan gut aufgenommen werdet und eine Stelle erhaltet?"
 
"Ja, denn Mr. Norton und Mr. Charoy, der Ingenieur in Sheridan, sind außerordentlich befreundet."
 
"Nun, welchen Gehalt gedenkt Ihr dort zu beziehen?"
 
"Ich hatte jetzt wöchentlich acht Dollar und meine, daß man mich dort ebenso bezahlen wird."
 
"So! Ich weiß eine Anstellung mit noch einmal so viel, also sechzehn Dollar und freie Station für Euch."
 
"Was? Wirklich?" rief der Schreiber erfreut, indem er aufsprang. "Sechzehn Dollar? Das ist ja geradezu zum Reichwerden!"
 
"Wenn auch das nicht; aber sparen könntet Ihr Euch etwas dabei."
 
"Wo ist diese Stelle zu haben? Bei wem?"
 
"Bei mir."
 
"Bei -   -   Euch?" erklang es im Tone der Enttäuschung.
 
"Allerdings. Wahrscheinlich traut Ihr mir das nicht zu?"
 
"Hm! Ich kenne Euch nicht."
 
"Dem kann gleich abgeholfen werden. Ich bin nämlich Magister Doktor Jefferson Hartley, Physician und Farrier meines Berufes."
 
"Also Menschen-   und Roßarzt?"
 
"Arzt für Menschen und Tiere," nickte der Yankee. "Habt Ihr Lust, so sollt Ihr mein Famulus sein, und ich zahle Euch den erwähnten Gehalt."
 
"Aber ich verstehe nichts von der Sache," erklärte Haller bescheiden.
 
"Ich auch nicht," gestand der Magister.
 
"Nicht?" fragte der andre erstaunt. "Ihr müßt doch Medizin studiert haben?"
 
"Fällt mir gar nicht ein!"
 
"Aber, wenn Ihr Magister und auch Doktor seid -   -  !"
 
"Das bin ich allerdings! Diese Titel und Würden besitze ich; daß weiß ich am allerbesten, denn ich selbst habe sie mir verliehen."
 
"Ihr -   -   Ihr selbst?"
 
"Freilich! Ich bin offen gegen Euch, weil ich denke, daß Ihr meinen Antrag annehmen werdet. Eigentlich bin ich Schneider; dann wurde ich Friseur, nachher Tanzlehrer; später gründete ich ein Erziehungsinstitut für junge Ladies, als das aufhörte, griff ich zur Ziehharmonika und wurde wandernder Musikant. Seitdem habe ich mich noch in zehn bis zwanzig andern Branchen rühmlichst hervorgethan.
 
 
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