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Werke von Karl May

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Die Tramps 

"So seid Ihr allerdings zu bedauern. Doch genug von diesen Geschichten; wir haben ja noch Brandy in der Flasche."
 
"Recht so, Sir! Auch vom Sprechen wird die Kehle trocken. Ich will noch einmal trinken und mich dann in den Schatten machen, um ein Schläfchen zu thun. Wenn meine sechs Stunden vorüber sind, muß ich wieder an die Kessel. Wie aber steht es nun mit meinen Dollars?"
 
"Ich halte Wort, obgleich ich sie vollständig umsonst bezahle. Aber da mein eigener Irrtum daran schuld ist, so sollt nicht Ihr die Folge tragen. Hier sind also die drei Dollar. Mehr könnt Ihr nicht verlangen, da Eure Gefälligkeit uns keinen Nutzen gebracht hat."
 
"Ich begehre auch nicht mehr, Sir. Für diese drei Dollar bekomme ich so viel Brandy, daß ich mich tottrinken kann. Ihr seid ein nobler Gentleman. Habt Ihr wieder einen Wunsch, so wendet Euch nur an mich und nicht etwa an einen andern. Ihr könnt auf mich rechnen."
 
Er trank noch ein volles Glas aus und begab sich dann zur Seite, wo er sich in den Schatten eines großen Ballens niederlegte.
 
Die Tramps sahen ihren Anführer neugierig an. In der Hauptsache wußten sie, woran sie waren, aber sie konnten einige seiner Fragen und Erkundigungen nicht in den richtigen Zusammenhang bringen.
 
"Da schaut ihr mich nun um Auskunft an," sagte er, indem sein Gesicht ein überlegenes, selbstgefälliges Lächeln zeigte. "Neuntausend Dollar in Banknoten, also bares Geld und nicht etwa Cheks oder Wechsel, bei deren Präsentation man in Gefahr geraten kann, festgenommen zu werden! Das ist eine tüchtige Summe, die uns willkommen sein wird."
 
"Wenn wir sie haben!" fiel derjenige ein, welcher für die andern den Sprecher zu machen pflegte.
 
"Wir haben sie!"
 
"Noch lange nicht!"
 
"Oho! Wenn ich es sage, so ist es so."
 
"Nun, wie bekommen wir sie denn? Wie wollen wir das Messer erhalten?"
 
"Ich hole es."
 
"Aus der Schlafkabine?"
 
"Ja."
 
"Du selbst?"
 
"Natürlich. So eine wichtige Arbeit überlasse ich keinem andern."
 
 
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