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Werke von Karl May

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Die Gigantochelonia 

Wat haben Sie mit dat Messer? Wollen Sie unsre jute Mutter Erde totstechen?"
 
Wenn er mit dem Doktor allein und nicht auch mit dem Chirurgen redete, bediente er sich stets der deutschen Sprache.
 
"Mach keine dummen Witze!" antwortete Morgenstern. "Es handelt sich hier um eine ernste und vielleicht hochwichtige Angelegenheit. Hast du vielleicht einmal von sogenannten Hexenringen gehört?"
 
"Sehr oft. Dat sind kreisrunde Stellen auf Wiesen, auf denen in der Walpurgisnacht die Hexen hippelschottisch jetanzt haben."
 
"Unsinn! Diese Kreise verdanken ihre Entstehung verschiedenen Arten von Hutpilzen, deren Mycelium sich zentrifugal vermehrt. Vertilgt man diese Pilze, so hören auch die Ringe auf."
 
"Ick verstehe! Hier haben Sie auch so 'nen Hexenring jefunden."
 
"Ja; aber er ist ganz eigentümlicher Art. Während die bekannten Hexenringe von einem üppig grünenden Kreise umschlossen werden, ist dies hier nicht der Fall. Auch wächst hier Gras, während dort das Innere der Ringe vollständig kahl liegt. Das fällt mir auf. Und nun woher dieser Sand? Es ist sonst nirgends welcher zu sehen."
 
"Den haben die Hexen herjetragen."
 
"Rede keinen Blödsinn! An Hexen glaubst du doch ja selber nicht."
 
"Nein. Seit man ihnen verbrannt hat, jibt es keine mehr. Aber diese Stelle kommt mich auch sehr sonderbar vor. Sollte hier ein Schatz verjraben liejen? Dat wäre mich lieber, als wenn wir ein urweltliches Riesenjeschöpf herausbuddelten."
 
"Vorweltliches Riesengeschöpf!" rief Morgenstern aus, indem er den Sprecher mit freudiger Ueberraschung anblickte.
 
"Fritze, vielleicht hast du das Richtige getroffen!"
 
"Mit dem Jeschöpf oder mit dem Schatz?"
 
"Mit beiden, denn wenn ich hier ein Mastodon oder so etwas finde, so ist das ein Schatz für mich, und du würdest auch nicht leer ausgehen."
 
"Dat läßt sich hören, sagte der Taube, als er eine Ohrfeige bekam. Aber im Ernste jesprochen, hier mitten in der Urwildnis so 'ne Stelle, dat muß doch einen Jrund haben. Und, nur man Jeduld, ick denke, wir finden diesen Jrund, wenn wir nur erst mal da den Sand fortschaffen."
 
"Ganz dasselbe dachte auch ich. Hole die Spaten, die Hacken und die Schaufeln! Wir müssen schleunigst nachgraben."
 
Fritze folgte dieser Aufforderung. Als die beiden den Sand aufzugraben begannen, kam Don Parmesan herbei und drang zum Aufbruche, da man heute doch den Vater Jaguar einholen müsse. Morgenstern gab ihm eine Erklärung der Gründe, welche ihn veranlaßten, noch hier zu bleiben, doch wollte der Chirurg nichts davon hören. Er machte aber sofort ein andres, viel freundlicheres Gesicht, als der Doktor ihm sagte:
 
"Wenn wir ein Megatherium hier finden oder ein ähnliches Riesentier und Sie helfen mit, so schenke ich Ihnen tausend Papierthaler."
 
Da fragte er rasch:
 
"Sind Sie denn so reich, Señor?"
 
"Ich bin wohlhabend und kann es geben."
 
"So helfe ich mit, und wenn es eine ganze Woche dauert!"
 
Er ergriff sofort einen Spaten und begann mitzuarbeiten, denn tausend Papierthaler, so viel wie hundertsechzig deutsche Reichsmark, waren für ihn eine sehr wünschenswerte Summe.
 
Während er mit Fritze in der sandigen Stelle in den Boden eindrang, nahm Morgenstern eine Schaufel, um einen Punkt der harten Unterlage von der darauf liegenden dünnen Lehmschicht und dem in derselben wachsenden Grase zu befreien. Er kratzte diese Schicht ab und schob sie zur Seite; da kam eine undurchdringliche, glatte und schildpattähnliche Masse zum Vorschein, welche, als er darauf schlug, einen dumpfen, hohlen Ton erzeugte. Da that er vor Freude einen Luftsprung trotz des geschicktesten Harlekins und rief jauchzend aus:
 
"Heureka, heureka! Ich hab's, ich hab's gefunden! Diese glasharte und panzerartige Masse! Ich hab's, ich hab's!"
 
"Wat haben Sie denn?" fragte Fritze, indem er von seiner Arbeit aufsah.
 
"Das Tier, das Riesentier. Es ist ein Glyptodon, ganz gewiß ein Glyptodon!"
 
"Wer soll dat Wort verstehen! Wie würde man es in Stralau oder Jüterbogk titulieren?"
 
"Riesenarmadill, oder noch deutscher, Riesenpanzertier!"
 
"Also ein Tier mit riesige Armatur! Wird es sich jegen unsre Annäherung wehren?"
 
"Was fällt dir ein! Es ist ja tot; es ist ein vorsündflutliches Geschöpf!"
 
"Also in der Sündflut umjekommen und schmählich ertrunken? Da kann mich dat arme Beest wirklich leid thun. Ist es jroß?"
 
"Wie ein Tapir oder Nashorn, anderthalb Meter lang."
 
"Also nicht auf den Arm oder in die hohle Hand zu nehmen. Na, dat schadet nichts; wir holen ihm dennoch heraus!"
 
"Natürlich muß es heraus! Aber nehmt euch in acht, daß ihr es nicht beschädigt! Jede, auch die kleinste Beschädigung, lateinisch Laesio genannt, vermindert den Wert dieses kostbaren Fundes!"
 
"Jut! Werden ihm so sanft wie möglich zu Leibe jehen, wat mich aber von wejen seine Riesenarmatur jar nicht als so notwendig erscheint."
 
Er grub mit dem Chirurgen weiter. Auch der Doktor arbeitete mit dem größten Eifer, mit der Schaufel die obere Lehmkruste von dem Panzer des vorweltlichen Tieres abzukratzen. Seine Augen strahlten; seine Wangen glühten, und seine Hände zitterten; er befand sich wie im Fieber. Dabei hielt er seinen beiden Gefährten einen Vortrag über die Urzeiten und die Wesen, welche in denselben existierten. Fritze und Don Parmesan warfen den Sand nach rechts und links heraus und drangen immer tiefer ein. Da gab der Sand plötzlich nach; Fritze stieß einen Schrei aus und verschwand in der Erde. Sein Gefährte sprang schnell aus dem Loche, sonst wäre er ihm nachgestürzt.
 
"Um des Himmels willen, was ist geschehen!" rief Morgenstern. "Hoffentlich kein Unglück, lateinisch Infortunium geheißen!"
 
"Er ist verschwunden, vollständig verschwunden," antwortete Parmesan. "Die Erde wich unter ihm, und da war er fort."
 
Der Doktor trat vorsichtig an das Loch und rief hinab:
 
"Fritze, lieber Fritze, lebst du noch?"
 
"Ja, ick lebe und bin verjnügt in meine Seele," erklang es von unten herauf.
 
"Wie ist das gekommen, und wohin bist du geraten?"
 
Ick habe mit die Balance dat neunzehnte Jahrhundert verloren und bin herunter ins Diluvium jerutscht."
 
"Bist du verletzt?"
 
"Nein. Dat Panzervieh verhält sich
 
 
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