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Werke von Karl May

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Die Bonanza of Hoaka
 
 

Die Bonanza of Hoaka 

"Yato Inda? Das heißt guter Mann, wenn ich mich nicht irre. Wer war Euer Vater?"
 
"Ein weißer Jäger."
 
"Und Eure Mutter?"
 
"Eine Tochter der Apatschen."
 
"Da stimmt der Name. Zu welchem Zweck treibt Ihr Euch denn hier in dieser Gegend herum, die den Komantschen gehört und wo es gar keine Apatschen gibt?"
 
"Mein Stamm will mich nicht mehr dulden."
 
"Weshalb?"
 
"Weil ich ein Freund der Bleichgesichter bin."
 
"Hm! Ihr seid also ein Ausgestoßener? Auch das stimmt, denn Ihr habt nur ein Messer; man hat Euch also das Gewehr genommen."
 
"Yato Inda wird zu den Bleichgesichtern gehen und sich dort ein Gewehr kaufen."
 
"So! Daß die Roten Euch ausgestoßen haben, ist ein Umstand, der Euch uns empfiehlt; aber wenn Ihr Euch ein Gewehr kaufen wollt, müßt Ihr doch Geld haben?"
 
"Yato Inda braucht kein Geld."
 
"Nicht? Glaubt ihr, daß man Euch ein Gewehr schenken wird?"
 
"Nein. Die Bleichgesichter verschenken nichts; aber sie sind auch zufrieden, wenn sie für Gewehre und Feuerwasser nicht rundes Geld, sondern goldene Nuggets bekommen."
 
"Ah, Feuerwasser! Du scheinst das wohl sehr gern zu trinken?"
 
"Sehr!" antwortete der Mestize in dem aufrichtigsten und unbefangensten Tone, den es geben kann.
 
"So habt Ihr also zwar kein rundes Geld, aber dafür goldene Nuggets?"
 
"Yato Inda hat keine, aber er wird so lange suchen, bis er welche findet."
 
"Das klingt doch grade, als ob Ihr nach der berühmten Bonanza of Hoaka suchtet!"
 
Majestät glaubte, das sehr pfiffig gesagt zu haben; der noch schlauere Mestize ließ ihn bei dieser Meinung und erwiderte, indem er ein dummstolzes Gesicht dabei zeigte: "Hat mein weißer Bruder auch von dieser Bonanza gehört? Er scheint sie für eine Lüge, für eine Erfindung zu halten?"
 
"Das thue ich allerdings, denn so viel Gold, wie da beisammenliegen soll, kann es gar nicht auf einer Stelle geben."
 
"Uff!" rief der Mestize noch viel selbstbewußter aus. "Es ist keine Unwahrheit. Diese Bonanza ist wirklich vorhanden."
 
"Wirklich? Kennt Ihr sie etwa?"
 
"Ich weiß, wo sie ist, und -   -   uff, uff!" verbesserte er sich in erschrockenem Tone, "ich weiß, daß sie vorhanden ist."
 
Man kann sich denken, wie groß die Spannung war, mit welcher die Weißen dieses Examen verfolgten, und wie sehr ihr Anführer innerlich triumphierte, als der Mestize sich in dieser Weise verplapperte. Dieser trat rasch einen Schritt näher an das Halbblut heran und sagte: "Du hast dich versprochen; du hast mehr gesagt, als du wolltest. Du weißt nicht nur, daß es eine Bonanza of Hoaka gibt, sondern du weißt auch, wo sie liegt!"
 
Er nannte den Mestizen jetzt du, um ihn einzuschüchtern, und das schien ihm auch zu gelingen, denn der Genannte stotterte, als ob er sich in größter Verlegenheit befände:
 
"Ich -   ich -   weiß -   weiß das nicht, denn ich -   darf es nicht sa -   -  "
 
"Sagen, du darfst es nicht sagen! Jetzt ist es heraus; jetzt habe ich dich, Bursche!"
 
"Nein -   nein -   nein! Ich -   ich weiß es nicht!"
 
"Schweig! Du weißt es! Wo liegt die Bonanza? Wirst du es gestehen? Wirst du die Wahrheit sagen?"
 
"Ich -   ich kann nichts gestehen, denn -   denn ich weiß es nicht!"
 
"So! Schurke, der du bist, ich werde dir beweisen, daß du uns belügst. Paß auf!"
 
Er fuhr ihm mit einem schnellen Griff nach dem Gürtel und riß den Beutel heraus. Da dieser nicht zusammengenäht war, sondern nur aus einem zusammengefalteten Leder bestand, ging er dabei auseinander, und mehr als eine Handvoll Nuggets, die er enthielt, fielen auf die Erde nieder. Der Mestize stieß einen Schrei des Entsetzens aus und bückte sich schnell nieder, um die auf dem Boden zerstreuten Goldkörner eiligst zusammenzulesen; aber die Weißen waren noch rascher als er; die von ihnen nächststehenden warfen sich nieder und rissen die Nuggets an sich, ehe er eines davon zu erlangen vermochte. Die "Majestät" packte ihn mit beiden Händen am Arme, riß ihn empor und donnerte ihn an: "Siehst du jetzt, Halunke, daß du überführt worden bist? Wo hast du diese Nuggets her?"
 
Der Mestize öffnete den Mund, antwortete aber nicht; er that, als ob er vor Schreck kein Wort hervorbringen könne, und stotterte erst dann, als die Frage einige Male wiederholt worden war: "Diese -   diese Nuggets habe -   habe ich gefunden."
 
"Natürlich! Das wissen wir auch! Aber wo?"
 
"Dort -   dort -   da -   gestern -   da fand ich den Beutel im Walde."
 
"Im Walde? Den Beutel? Infamer Lügner! So einen Beutel voller Nuggets wirft niemand im Walde weg. Du hast das Gold aus der Bonanza und wirst uns sofort sagen, wo sie liegt!"
 
"Das -   das -   kann ich nicht sagen!"
 
"So! Aber ich werde dir gleich beweisen, daß du es sagen kannst! Ich gebe dir eine einzige Minute Zeit. Wenn wir dann noch keine Antwort haben, bekommst du so viel Kugeln in den Leib, wie wir hier Flinten haben! Also entscheide dich!"
 
Die Weißen richteten alle ihre Gewehre auf ihn; da rief er in vortrefflich gespieltem Schreck: "Schießt nicht; schießt nicht! Ihr habt ja gehört, daß ich ein Freund der Bleichgesichter bin! Ich habe deshalb ohne
 
 
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