Karl May Reiseromane       Goethe Bildungsromane
Impressum | Datenschutz

Werke von Karl May

Werke von Karl May
Home
Der Schatz im Silbersee
Der schwarze Panther
Die Tramps
Nächtliche Kämpfe
Der Vergeltung entronnen
Indianisches Meisterstück
Ein Parforceritt im Finstern
Im Kampf um Butlers Farm
Ein Drama auf der Prairie
List und Gegenlist
Am Eagle-tail
In der Klemme
Auf Tod und Leben
Edelmut Old Shatterhands
Gefangen und befreit
Eine Indianerschlacht
Am Silbersee
Das Vermächtnis der Inkas
Vater Jaguar
Die Gigantochelonia
El Hijo del Inka
Eine Urwaldschlacht
In der Mordschlucht
Der Ölprinz
Das Kleeblatt
Im Mogollongebirge
Am Petroleumsee
Gerechte Strafe
Der schwarze Mustang
Im Firwood-Camp
Nach dem Rocky-Ground
Der Ueberfall
Die Bonanza of Hoaka
 
 

Der Ueberfall 

legen; sie werden sich meist von Wurzeln, Beeren und wilden Früchten zu ernähren haben; das hält sie lange unterwegs. Und wenn sie heimkommen, werden sie von den Ihrigen gemieden, weil sie keine Medizinen haben. Um wieder als Krieger zu gelten und geachtet zu werden, müssen sie sich neue Medizinen verschaffen, was jahrelang dauern kann. Hierher, nach dem Schauplatze ihres beispiellosen Verlustes, kommen sie also nicht so bald zurück. Dafür aber wehe, dreifach wehe mir und Winnetou, wenn wir jemals das Unglück haben sollten, ihnen in die Hände zu fallen!"
 
"Habt Ihr denn keine Angst?"
 
"Angst? Fällt uns gar nicht ein! Wenn man sich im wilden Westen vor allem, was geschehen kann, ängstigen wollte, käme man aus der Angst gar nicht heraus und würde vor lauter Furcht und Sorge unfähig, auch nur eine Woche länger hier zu bleiben. Also wir sind einverstanden. Habt Ihr, Mr. Swan, unserm Beschlusse noch irgend etwas beizufügen?"
 
"Werde mich wohl hüten!" lachte dieser. "Ihr habt mir vorhin die Lust, An-   und Absichten zu haben, ganz gehörig versalzen. Was aber soll mit dem Scout geschehen, der bei uns im Brunnen steckt? Glaubt auch der an Medizinen?"
 
"Nein. Haut ihn tüchtig durch und laßt ihn dann laufen!"
 
"Soll besorgt werden, Sir, ganz gehörig besorgt! Meine Leute werden sich über die Beute freuen, die sie bekommen. Die Pferde brauchen sie wohl kaum; aber wenn wir sie mit der Bahn einige Stationen zurücktransportieren, können wir sie verkaufen und ganz hübsche Preise erzielen."
 
"Da muß ich bemerken, daß wir, nämlich ich und meine Gefährten, von der Beute nichts beanspruchen als nur zwei Pferde, welche ich für Frank und Droll aussuchen werde, weil diese beiden schlecht beritten sind."
 
"Well!Sucht die besten aus! Sie sind euch wohl zu gönnen, denn daß wir die Roten so hübsch festgenommen haben, ist doch nicht unser, sondern nur euer Verdienst. Ich nehme an, daß die Beratung nun zu Ende ist."
 
"Ja. Ich will dem Häuptling das Resultat derselben mitteilen. Wir werden fürchterliche Wutausbrüche zu hören bekommen, machen uns aber nichts daraus."
 
Er stand auf und begab sich mit Winnetou und dem Engineer nach der Stelle, wo Tokvi-  Kava lag, zu dessen beiden Seiten sich Frank und Droll niedergesetzt hatten, um ihn im Auge zu haben. Der neugierige Hobble wartete nicht, bis er etwas zu hören bekam, sondern fragte: "Die Herren Schtadträte kommen vom Rathause, also is die Plenar-   und Kommissionssitzung zu Ende. Was hat denn nu der Reichstag," dabei deutete er auf Winnetou und Old Shatterhand, "und das Unterhaus," dabei deutete er auf den Engineer, "für eenen juristisch-  aeronautischen Beschluß gefaßt?"
 
"Wirst es gleich hören," antwortete Old Shatterhand kurz. Und sich an den Häuptling wendend, fuhr er fort, indem er ihm nicht seinen bisherigen, sondern den neuen, verächtlichen Namen gab: "Mungwi Ekknan Makik mag hören, was über ihn und seine Komantschen beschlossen worden ist!"
 
Der Häuptling wendete den Kopf zur Seite und schloß die Augen, um zu sagen, daß alles, was er hören werde, ihm ebenso lächerlich wie gleichgültig sei. Old Shatterhand beachtete das natürlich nicht und verkündete laut, um von den Roten gehört zu werden : "Die Söhne der Komantschen haben den Tod verdient, weil sie die Leute von Firwood-  Camp ermorden und skalpieren wollten; aber wir haben ihnen ihr Leben versprochen und werden unser Wort halten."
 
Da warf schon jetzt der Häuptling die geheuchelte Gleichgültigkeit von sich und rief: "Uff, uff! So nimm uns die Fesseln ab, und gib uns frei, damit wir fortreiten können!"
 
"Wer kein Pferd hat, kann nicht reiten," lautete die ebenso ruhige wie einfache Entgegnung.
 
"Wir haben welche!" antwortete der Häuptling halb selbstbewußt und halb unsicher.
 
"Ihr habt keine mehr, denn eure Pferde und auch alle eure Waffen werden uns gehören."
 
"Unsre Pferde und Waffen?" schrie der Rote. "Du willst uns bestehlen?"
 
"Schweig!" donnerte ihn da der Jäger an. "Ihr seid Raubmörder, und wir haben euch besiegt. Trotzdem wollte ich nicht streng mit euch verfahren; aber ihr habt uns, trotz meiner Warnung, wiederholt verhöhnt und beleidigt; du glaubtest nicht, daß darauf die Strafe folgen werde und höhntest weiter. Willst du nun, da sie da ist, mich einen Dieb nennen, du, der von jetzt an nicht anders als Mungwi Ekknan Makik heißen wird!"
 
"Hund l" brüllte der Indianer. "Sprich diesen Namen nicht mehr aus!"
 
"Pshaw! Ich spreche ihn aus, und Tausende werden dich so nennen. Und wenn ich noch so ein Wort wie Hund aus deinem Munde höre, so lasse ich dich blutig peitschen. Die Medizin hast du schon verloren, so ist dir nur noch die Peitsche nötig, um den verächtlichsten aller Würmer aus dir zu machen."
 
"Ich werde mich rächen, fürchterlich rächen!"
 
"Wie denn? Sprich deinen Stamm um Hilfe an! Du darfst dich dort gar nicht sehen lassen!"
 
"Ich habe hier Boten genug, welche hingehen können, um den ganzen Stamm gegen euch aufzubieten!"
 
"Es wird keiner von ihnen sich dorthin nähern dürfen, wo ehrliche Krieger sich befinden, denn wir werden auch ihnen allen die Medizinen nehmen."
 
Der Häuptling öffnete zwar den Mund, um zu antworten, aber das, was er hörte, war für ihn so ungeheuerlich, daß er kein Wort hervorbrachte. Old Shatterhand fuhr fort: "Sie hätten sich entfernen dürfen, ohne ihre Heiligtümer zu verlieren; aber da sie so toll gewesen sind, unsern Zorn herauszufordern, so werden wir sie dadurch bestrafen, daß wir ihnen die Medizinen nehmen und dort in das Feuer werfen. Wenn dann der Tag
 
 
Seiten
1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13  14  15  16  17  18  19  20  21  22  23  24  25  26  27  28  29  30  31  32  33  34  35  36  37  38  39  40  41  42  43  44  45  46  47  48  49  50  51  52  53  54  55  56  57  58  59  60  61  62  63  64  65  66  67  68  69  70  71  72