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| Werke von Karl May |
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| Der Schatz im Silbersee |
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| Das Vermächtnis der Inkas |
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| Der Ölprinz |
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| Der schwarze Mustang |
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Der Ueberfall
Worte richtig sprechen kann. Du schlotterst vor Angst! Schäme dich!"
Die Verachtung, welche aus dieser Rede sprach, gab dem Mischling seine Selbstbeherrschung wieder. Er trat, die drei Gewehre noch immer in den Händen, einen Schritt zurück und antwortete: "Was bildest du dir ein? Ich soll Angst und Entsetzen vor euch fühlen? Mir kann weder Winnetou noch Old Shatterhand Furcht einflößen. Und eure Gewehre wollt ihr wieder haben? Uff! Versucht doch einmal, ob ihr sie bekommt!"
Noch während er diese Worte sprach, wendete er sich zur blitzesschnellen Flucht. Er konnte diese nicht zu Pferde ergreifen, weil sein Tier angekoppelt war und es zu viel Zeit erfordert hätte, es loszubinden; er war also gezwungen, dasselbe im Stiche zu lassen und zu Fuß zu entweichen; das sah er gar wohl ein. Aber war's schade um das Pferd, wenn es ihm gelang, sich mit den köstlichen Gewehren zu retten?! Er sprang also in raschen, weiten Sätzen eine Strecke am Rande des Hurrican hin, um dann in das Gewirr desselben einzudringen. Aber er hatte seine Rechnung ohne die Voraussicht seiner beiden Gegner gemacht. Diese waren zu klug und zu erfahren, als daß sie nicht schon im voraus erraten hätten, was er thun werde; er hatte kaum erst den vierten oder fünften Sprung gethan, so war er von Old Shatterhand eingeholt, von Winnetou sogar überholt und wurde von beiden gepackt und festgehalten. Der weiße Jäger zog den Revolver, hielt ihm denselben auf die Brust und sagte: "Halt! Du kommst wieder mit zurück und setzest dich nieder. Beim geringsten weiteren Fluchtversuch jage ich dir eine Kugel zwischen die Rippen! Du wärst der richtige Bursche dazu, uns zu entwischen! Lächerlich! Also setze die Beine voran, sonst helfen wir nach!"
Sie brachten ihn wieder nach der Stelle, wo er vorher gesessen hatte und wo seine Flinte noch lag, nahmen ihm ihre Gewehre und sein Messer ab und drückten ihn auf den Boden nieder. Er bebte vor Wut, sah aber ein, daß jeder Widerstand ihm jetzt nur schaden müsse, und daß es am besten sei, sich jetzt zu fügen und auf sich ihm später vielleicht bietende Vorteile zu warten.
Old Shatterhand legte zwei Finger zwischen die Lippen, ließ einen schrillen, weithin hörbaren Pfiff ertönen und setzte sich dann mit Winnetou zu dem Gefangenen. Ohne zunächst ein Wort mit demselben zu sprechen, warteten sie auf die Herbeikunft ihrer Kameraden, denen der Pfiff gegolten hatte. Der Hobble- Frank und Droll wußten von früher her, welche Bedeutung dieses Zeichen Old Shatterhands für sie hatte, und es dauerte auch gar nicht lange, so kamen sie mit den zwei Timpes um den Windbruch herumgeritten. Sie überschauten die Situation mit schnellen Blicken, und während sie ihre Pferde anhielten und abstiegen, sagte Frank: "Potz Sapperlot, hat das eene grandiose Wendung hier genommen! Die Roten sind fort, und dafür hat sich dieser Himbeerfritze bei uns zu Gaste geladen! Wo sind sie denn hin, und wer is der sanfte Urian, meine Herren, dem es an Ihrer Seite so außerordentlich gut zu gefallen scheint?"
"Das ist ja der Scout, der die Bewohner von Firwood- Camp den Komantschen an das Messer liefern wollte!" rief Kas aus.
"Der? Hm, den will ich mir doch eenmal aus der nähern sixtinischen Vogelperschpektive betrachten!" Und rund um den Gefangenen herumgehend und ihn musternd, fuhr er fort: "Also das is der Kerl, der die französischen Karnickel für ostindische Matjesheringe gehalten hat? Bong! Er hat die Chinesen abschlachten wollen; dafür soll er nu selber zu Wellfleesch und zu Nürnberger Würschteln verarbeitet werden. Setzt euch nieder, ihr Kameraden, und macht die Ohren off! Herr Shatterhand wird wohl die Freundlichkeit haben, uns zu sagen, wieso, warum, weshalb und ooch noch außerdem."
Sie ließen sich nieder, und der Genannte erklärte ihnen in kurzen Worten, was hier geschehen und wie der Scout ergriffen worden war.
"Een allerliebster Jüngling is dieser Mensch, das muß man sagen," meinte dann der Hobble- Frank. "Wenn er so mir nischt, dir nischt die Gewehre erben wollte, so mußte er doch warten, bis die seligen Besitzer den irdischen Schtoob von ihren jenseitigen Füßen geschüttelt hatten und mit dem persischen Mirza pro defunctis süß hinüberverblichen waren! Ich schlage vor, wir reiben ihm seine Erbanschprüche so mit Senfteig ein, daß er wie jener römische Kaiser schreit: >Varus, Varus, es schneit aus allen Regionen nieder!< Verdient hat ersch ja mehr als genug. Was sagen Sie dazu, Herr Shatterhand?"
Der Gefragte antwortete, ohne über das Citat des Kleinen eine Miene zu verziehen: "Er wird seiner Strafe nicht entgehen, lieber Frank. Warte es nur ab!"
"Ja, so schprechen Sie schtets! Ihre ganzen Herzvorkammern sind so mit Menschenliebe vollgestopft und vollgepfropft, daß Sie selbst Ihrem ärgsten Tod- und Busenfeind Schinken in Burgunder mit ellenlangen Maccaroninudeln vorsetzen möchten. Aber damit kommt man heutzutage nich mehr weit. Ich will Gerechtigkeet; ich bin der zartbesaitete Engel der Vergeltung; bei mir heeßt' s schtets: Wie die That, so der Lohn, wie der Milchtopf, so der Deckel, und wie die Dose, so der Schnupftabak. Ich verlange Schtrafe für den Verbrecher, denn es schteht schon seit uralten Zeiten in den Fix- und Wandelschternen een Gesetz geschrieben, welches deutlich sagt: Wer nich hören will, der muß fühlen, und wer keen Pianoforte hat, der kann nich schpielen. Howgh! Der Hobble- Frank hat geschprochen!"
Seine Rede wurde trotz der Würde, mit welcher sie vorgebracht worden war, nicht beachtet, sondern Old Shatterhand wendete sich an den Gefangenen: "Gib uns zunächst einmal deinen richtigen Namen an!"
Der Mestize antwortete zornig in dem Englisch, welches diese Leute zu sprechen pflegen: "Bin ich etwa eine Rothaut, Sir, daß Ihr glaubt, mich du nennen zu dürfen?!"
"Deine Haut ist noch viel schlimmer als rot, Bursche!
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