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Werke von Karl May

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Der Ueberfall
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Der Ueberfall 

hatte und von welchen sie sich losgerissen haben sollten, waren nicht zerrissen, aber an ihnen hing ein Riemen, ein fremder Riemen, mit dem sie angekoppelt gewesen waren, den hatten sie zerrissen. Die Pferde waren also nicht selbst entwichen, sondern gestohlen worden. Von wem? Willst du es etwa leugnen?"
 
Der Häuptling verzog keine Miene; er sagte weder ja noch nein. Sein Enkel fuhr fort: "Dein Schweigen gibt mir recht. Natürlich suchten nun die Bleichgesichter nach den Dieben."
 
"Die waren doch längst fort!" fiel der Alte ein.
 
"Waren auch die Spuren fort? Oder meinst du, daß Old Shatterhand und Winnetou nicht gelernt haben, aus deiner Fährte mehr, viel mehr zu lesen, als du selbst ihnen gestehen würdest? Sie fanden eure Spur, sie fanden meine Spur, und sie fanden auch Kita Homaschas Spur. Sie errieten sofort unser Einvernehmen und unsre Absichten; sie wollten mich ergreifen und auf der Stelle lynchen, aber es gelang mir glücklicherweise noch, ihnen zu entspringen. Ich eilte zu meinem Pferde und jagte davon."
 
"Uff, uff! War diese Flucht notwendig?"
 
"Ja."
 
"Sie konnten dir nichts beweisen!"
 
"Die Spuren waren Beweis genug! Auch brannten sie meine Wohnung nieder. Hätten sie das gethan, wenn sie nicht überzeugt gewesen wären? Du kennst die Strenge, mit welcher die Bleichgesichter ihre Prairiegerichte handhaben. Nur die Flucht konnte mich retten. Wäre ich geblieben, so hätten sie mich aufgehängt. Ich war schon weit fort, da kam mir der Gedanke, heimlich zurückzukehren, um zu erlauschen, ob Winnetou und Old Shatterhand vielleicht nun ihren Plan, nach dem Alder-  Spring zu reiten, aufgegeben hätten. Dies zu erfahren, war von größter Wichtigkeit für uns. Es war sehr gut, daß ich dies that, denn ich sah sie mit ihren Pferden in den Wagen des Feuerrosses steigen und fortfahren. Sie kommen also nicht nach dem Alder-  Spring. Als sie fort waren, verließ auch ich nun Firwood-  Camp und ritt hierher, um dir zu sagen, was geschehen ist. Jetzt bin ich da, nun tadle mich, wenn du mich tadeln kannst! Soll eine Strafe sein, so treffe sie nicht mich, sondern den, der durch den Pferdediebstahl den schönen Plan der Komantschen zunichte gemacht hat! Ich habe gesprochen. Howgh!"
 
Er hatte seinen Bericht beendet und wartete nun auf das, was sein Großvater sagen würde. Dieser hielt den Kopf eine ganze Weile gesenkt; dann hob er ihn mit einer schnellen, energischen Bewegung wieder empor und warf einen forschenden Blick um sich. Das, was er sagte, konnte von keinem Unberufenen gehört werden, denn die Ankunft des Halbbluts hatte den anwesenden Kriegern zwar gesagt, daß etwas entweder geschehen oder im Werke sein müsse, aber keiner von ihnen hatte es gewagt, sich dem so sehr respektierten Häuptlinge ohne besondere Aufforderung zu nähern. Es hatte also auch niemand die Vorwürfe vernommen, welche von dem Enkel und Untergebenen gegen seinen Ahnen und Vorgesetzten ausgesprochen worden waren. Dieser letztere begann mit unterdrückter Stimme: "Ja, ich habe die Pferde aus dem Schuppen geholt. Iltschi und Hatatitla sind so berühmte Pferde, daß die Weisheit meines Alters sich in die Thorheit der Jugend verwandelte. Ich wollte und mußte sie sofort haben, ohne daran zu denken, daß sie heut mit den Gefangenen doch mein Eigentum sein würden. In deinen Adern fließt mein Blut, und darum wirst du unsern Kriegern nicht mitteilen, welche Folgen diese schnelle That nach sich gezogen hat!"
 
"Ich werde schweigen," erklärte der junge.
 
"Wissen Old Shatterhand und Winnetou," fuhr der Alte fort, "wie viel Personen wir gestern im Firwood-  Camp waren?"
 
"Ja."
 
"Wissen sie aber auch, wer es war?"
 
"Nein. Sie wissen nur, daß es feindliche rote Männer waren."
 
"Wußten sie von unsrer Absicht, das Camp zu
 
überfallen?"
 
"Sie vermuten es."
 
"Für solche Männer ist eine Vermutung so gut wie eine Gewißheit."
 
"Ahnen sie die Zeit des Ueberfalles?"
 
"Nein. Aber ich muß dir sagen, daß sie mir meinen Namen Ik Senanda ins Gesicht warfen; sie glaubten nicht, daß ich Yato Inda heiße."
 
"So halten sie dich für einen Verräter?"
 
"Ja."
 
"Dann sind sie überzeugt, daß du mein Enkel bist und daß ich es bin, der das Camp überfallen will. Was sagten sie zu dem Verluste von ihren drei Gewehren?"
 
"Ihre Gewehre?" fragte das Halbblut erstaunt. "Haben sie diese verloren?"
 
"Ja."
 
"Uff, uff, uff! Wo?"
 
"Im Firwood-  Camp. Ich habe sie gefunden."
 
"Du -   hast -   sie -   gefunden -   du -   du -   du? Die Gewehre von Old Shatterhand und Winnetou?" stieß der Mestize in höchster Ueberraschung hervor.
 
"Ich!" nickte Tokvi-  Kava, indem seine Augen vor Freude funkelten.
 
"Die Silberbüchse Winnetous?"
 
"Ja."
 
"Das kleine Zaubergewehr Old Shatterhands?"
 
"Ja."
 
"Und den großen Bärentöter?"
 
"Ja."
 
"Wo, wo, wo sind diese kostbaren Waffen? Sage es schnell!"
 
"Hier," antwortete der Häuptling, indem er auf das Paket deutete.
 
"Uff, uff, uff! Heut blickt der große Manitou mit strahlendem Angesicht auf die Krieger der Komantschen herab! Das ist eine Beute, um welche uns alle Stämme
 
 
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