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| Werke von Karl May |
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| Der Schatz im Silbersee |
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| Das Vermächtnis der Inkas |
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| Der Ölprinz |
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| Der schwarze Mustang |
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Auf Tod und Leben
körperlicher Schmerzen geübt. Er gelangt dadurch so weit, daß er die größten Qualen ertragen kann, ohne mit der Wimper zu zucken. Vielleicht sind die Nerven des Roten auch weniger empfindlich als diejenigen des Weißen. Wenn der Indianer gefangen wird und am Marterpfahle stirbt, so erträgt er die ihm zugefügten Schmerzen mit lächelndem Munde, singt mit lauter Stimme sein Todeslied und unterbricht dasselbe nur hie und da, um seine Peiniger zu schmähen und zu verlachen. Ein jammernder Mann am Marterpfahle ist bei den Roten eine Unmöglichkeit. Wer über Schmerzen klagt, wird verachtet, und je lauter die Klagen werden, desto größer wird die Verachtung. Es ist vorgekommen, daß gemarterte Weiße, welche sterben sollten, ihre Freiheit erhielten, weil sie durch ihre unmännlichen Klagen zeigten, daß sie Memmen seien, welche man nicht zu fürchten brauche und deren Tötung für jeden Krieger eine Schande sei.
Man kann sich da denken, welchen Eindruck das Gejammer Knoxens und Hiltons machte. Die Roten wendeten sich ab und ließen Rufe der Entrüstung und Verachtung hören. Als den Verwandten der ermordeten Utahs Genüge geschehen war und nun andre aufgefordert wurden, vorzutreten, und die Peinigung durch ein neues Mittel fortzusetzen, fand sich kein einziger Krieger bereit dazu. Solche "Hunde, Coyoten und Kröten" wollte niemand berühren. Da erhob sich einer der Häuptlinge und sagte: "Diese Menschen sind nicht wert, daß ein tapferer Krieger Hand an sie legt; das sehen meine roten Brüder doch wohl ein. Wir wollen sie den Weibern überlassen. Wer von der Hand eines Weibes stirbt, dessen Seele nimmt in den ewigen Jagdgründen die Gestalt einer Frau an und muß arbeiten in alle Ewigkeit. Ich habe gesprochen."
Dieser Vorschlag wurde nach kurzer Beratung angenommen. Die Frauen und Mütter der Ermordeten wurden aufgerufen; sie bekamen Messer, um den beiden dem Tode Geweihten leichte Schnitte zu versetzen, auch in der Reihenfolge, welche der "große Wolf" anzugeben hatte.
Einem gesitteten Europäer wird es schwer, zu glauben, daß ein Weib sich zu solchen Grausamkeiten herbeilassen könne. Aber die Roten sind eben nicht zivilisiert, und hier bannte die Rache für den vielfachen Mord jede mildere Regung. Die Frauen, meist alte Weiber, begannen ihr Werk, und das Heulen und Jammern der beiden Weißen erhob sich von neuem, und zwar in einer Weise, daß es selbst den Ohren der Roten unerträglich wurde. Der " große Wolf" gebot Einhalt und sagte: "Diese Memmen sind es auch nicht wert, nach dem Tode Frauen zu sein. Kein roter Mann wird raten, ihnen die Freiheit zu geben,
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