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Werke von Karl May

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Auf Tod und Leben 

sich rote Gestalten, welche all ihren kriegerischen Schmuck angelegt hatten, natürlich zur Feier des Todes der beiden gefangenen Mörder. Sie traten, als die vier Weißen vorübergeführt wurden, höflich zurück und hefteten auf die Gestalten derselben ihre Blicke mit einem Ausdrucke, welcher mehr prüfend und taxierend als feindselig genannt werden konnte.
 
"Was haben diese Kerle?" fragte Frank. " Sie gucken mich ja an, ungefähr so wie man een Pferd betrachtet, welches man koofen will."
 
"Sie prüfen unsern Körperbau," antwortete Old Shatterhand. "Das ist ein Zeichen, daß ich richtig vermutet habe. Unser wahrscheinliches Schicksal ist ihnen bereits bekannt. Wir werden um unser Leben kämpfen müssen."
 
"Schön! Das meinige soll ihnen nich billig zu schtehen kommen. Jemmy, hast du Angst?"
 
Sein Zorn gegen den Dicken war verflogen; man hörte es seiner Frage an, daß er mehr an diesen als an sich selbst dachte.
 
"Angst habe ich nicht, aber besorgt bin ich, wie sich ganz von selbst versteht. Furcht würde uns nur schaden. Es gilt jetzt, so gefaßt und ruhig wie möglich zu sein."
 
Außerhalb des Lagers waren zwei Pfähle in die Erde getrieben; in der Nähe standen fünf mit Federn geschmückte Krieger, der "große Wolf" unter ihnen. Er trat den Weißen einige Schritte entgegen und erklärte: "Ich habe die Bleichgesichter holen lassen, damit sie Zeuge seien, wie die roten Krieger ihre Feinde bestrafen. Man wird sogleich die Mörder bringen, um sie am Pfahle sterben zu lassen."
 
"Wir begehren das nicht zu sehen," antwortete Old Shatterhand.
 
"Seid ihr Feiglinge, daß ihr euch vor dem fließenden Blute entsetzt? Dann müssen wir euch als solche behandeln und brauchen euch mein Versprechen nicht zu halten."
 
"Wir sind Christen. Wir töten unsre Feinde, wenn wir gezwungen sind, schnell; aber wir martern sie nicht."
 
"Jetzt seid ihr bei uns und habt euch unsern Gebräuchen zu fügen. Wollt ihr das nicht thun, so beleidigt ihr uns und werdet dafür mit dem Tode bestraft."
 
Old Shatterhand wußte, daß der Häuptling im Ernste sprach, und daß er sich mit seinen Gefährten in die größte Gefahr begab, wenn er sich weigerte, der Hinrichtung beizuwohnen. Darum erklärte er gezwungenermaßen: "Nun gut, wir werden bleiben."
 
"So laßt euch bei uns nieder! Wenn ihr euch fügt, wird euch ein ehrenvoller Tod beschieden sein."
 
 
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