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Werke von Karl May

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Auf Tod und Leben 

Nach wenigen Minuten trat eine junge Frau herein, welche zwei Gefäße vor den Weißen niedersetzte und sich dann wortlos entfernte. Das eine war ein alter Topf mit Wasser und das andre eine große, eiserne Pfanne, in welcher mehrere Fleischstücke lagen.
 
"Oho!" schmunzelte der Hobble-  Frank. "Das wird wohl unser Suppeh sein sollen. Een Wassertopp, das is nobel! Die Kerle schneiden off. Wir sollen vor Erschtaunen über ihre zivilisatorischen Küchengerätschaften die Hände über dem Koppe zusammenschlagen. Und Büffelfleesch, wenigstens acht Pfund! Sie werden's doch nich etwa gar mit Rattengift eingerieben haben?"
 
"Rattengift!" lachte der Dicke. "Woher sollten die Utahs solches Zeug bekommen? Übrigens ist das Fleisch von einem Elke und nicht von einem Büffel."
 
"Weeßt du's schon wieder besser als ich? Ich kann doch machen und sagen, was ich will, so kommst du mir derquere. Das hat niemals keene Besserung nich. Ich will mich aber heute nich mit dir schtreiten, sondern dir hiermit nur eenen extemporierten Blick zuwerfen, aus welchem du ersehen kannst, wie unendlich ich meine Persönlichkeit über deiner Pigmentgeschtalt erhaben fühle."
 
"Pygmäengestalt," verbesserte Jemmy.
 
"Wirst du wohl gleich zwölf Sechsachtelakte schweigen!" gebot der Kleine. "Bringe meine Galle nich in pneumatische Anschwellung, sondern widme mir die Hochachtung, welche ich infolge meines außerordentlichen Lebenslaufes mit vollem Rechte zu beanschpruchen habe! Denn nur unter dieser Bedingung kann ich mich so populär machen, diesem Braten den Segen meiner unleugbaren Kochkunstfertigkeet angedeihen zu Lassen."
 
"Ja, brate nur," nickte Old Shatterhand, um den Ärger des Kleinen abzulenken.
 
"Das is freilich bald gesagt. Wo aber nehme ich die Zwiebeln und die Lorbeerblätter her. Übrigens weeß ich noch nich, ob ich mit der Pfanne hinaus an das Feuer darf."
 
"Versuche es."
 
"Ja, versuchen! Wenn die Kerle es nich leiden wollen und mir eene Kugel in die Magengegend schicken, so is es für mich ganz egal, ob das Fleesch unter der Haut eenes Elkes oder Büffels gewachsen is. Aber Furcht gibt's nich, solange man sich bei der richtigen Herzhaftigkeet befindet; feni, fidi, fidschi -   ich gehe 'naus!"
 
Er trug die Pfanne mit dem Fleische an das Feuer und machte sich an demselben als Koch zu schaffen, ohne von den Wächtern gestört
 
 
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