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Werke von Karl May

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Am Silbersee 

"Was kannst du dagegen haben? Die Utahs würden uns auch skalpieren.
 
"Wenn ich bei ihnen wäre, würden sie es bleiben lassen. Ich dulde es nicht, wenigstens bei den noch lebenden nicht."
 
"So mögen sie ihre Skalpe behalten; aber den Toten werde ich sie nehmen."
 
"Mit welchem Rechte?"
 
"Ich begreife dich nicht!" meinte der Rote betroffen. "Ein erlegter Feind muß doch skalpiert werden!"
 
"Hier liegen viele. Hast du sie denn alle besiegt?"
 
"Nein. Einen habe ich getroffen."
 
"Welchen?"
 
"Ich weiß es nicht."
 
"Ist er tot?"
 
"Auch das weiß ich nicht. Er lief weiter."
 
"So zeige mir denjenigen Toten, in welchem die Kugel deines Gewehres steckt; dann sollst du ihn skalpieren dürfen; eher aber nicht!"
 
Der Häuptling zog sich brummend in sein Versteck zurück, und seine Leute folgten diesem Beispiele. Da erhob sich unten, wo die zurückgeschlagenen Utahs sich wieder gesammelt hatten, ein Geschrei. Da der Jäger zwischen Timbabatschen stand, hatten sie ihn nicht genau sehen können; nun er sich noch allein im Freien befand, erkannten sie ihn, und man hörte sie rufen: "Old Shatterhand! die Zauberflinte, das Zaubergewehr!"
 
Daß dieser Mann sich hier befinden könne, war ihnen unbegreiflich. Seine Anwesenheit machte einen wahrhaft entmutigenden Eindruck auf sie. Desto mehr Courage zeigte er. Er schritt langsam weiter, auf sie zu und rief, als er in gute Hörweite von ihnen gekommen war: "Holt eure Toten und Verwundeten! Wir schenken sie euch."
 
Einer der Anführer trat vor und antwortete: "Ihr werdet auf uns schießen!"
 
"Nein."
 
"Redest du die Wahrheit?"
 
"Old Shatterhand lügt nie."
 
Dabei drehte er sich um und kehrte in sein Versteck zurück.
 
So treulos diese Roten waren, diesem Jäger, diesem Bleichgesichte trauten sie keine Untreue, keinen Verrat zu. Dazu kam, daß es der Indianer für eine große Schande hält, seine Toten oder gar Verwundeten im Stiche zu lassen. Darum schickten die Utahs jetzt, zunächst wenigstens versuchsweise, zwei ihrer Leute ab, welche sich langsam
 
 
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