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Werke von Karl May

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Am Petroleumsee 

den Steinen hervorgekrochen. Der erstere sagte in seiner eigentümlichen Weise:
 
»Das haben die roten Gentlemen wohl nicht gedacht! Dreihundert solche Kerle lassen sich von zwei Männern in das Bockshorn jagen. So etwas ist noch gar nicht dagewesen! Aber selbst dann, wenn es nicht gelungen wäre, hätte es dasselbe Ende genommen, nur ein wenig später, denn wir lagen hier, um euch zu befreien, hihihihi!«
 
»Ja,« stimmte der Hobble bei, »wir hätten euch herausgeholt, das schtand bei uns bombenfest. Ob es zehn oder dreihundert Indianer waren, das hielten wir ganz ebenso für Wurscht als wie für Schnuppe.«
 
»Ja, ihr seid zwei außerordentliche Helden,« meinte Old Shatterhand, halb zornig und halb belustigt. »Wo habt ihr denn gesteckt? Mir scheint, ihr seid spazieren gegangen, während ihr schlafen solltet?«
 
»Schpazieren gerade nich. Ich hatte eenen Troom, der meine physikalische Seele in innere Offregung versetzte; ich wachte darum off und bemerkte zu meinem Erschtaunen, daß der Herr Kantor fort war. Da weckte ich meinen Busenfreund Sam, und wir gingen, den abwesenden Herrn in die Anwesenheet zurückzuführen, Inzwischen geschah der Ueberfall, den wir nich verhindern konnten. Wir verschteckten uns und sahen, daß ihr an uns vorübergeschafft wurdet. Da schtiegen wir ins Thal herunter und verschteckten uns, um euch im Momente des geeigneten Oogenblickes aus der Gefangenschaft zu befreien. Es war een Glück für uns, daß der Herr Emeritus sich entfernt hatte, denn wäre dies nich der Fall gewesen, so hätten wir ihn nich gesucht und wären doch mit gefangen genommen worden.«
 
»Das wird wohl ein Irrtum sein,« entgegnete Old Shatterhand. »Ich bin überzeugt, daß der Ueberfall gar nicht hätte stattfinden können, wenn dieser Unglücksmann ruhig liegen geblieben wäre. Wo steckt er denn jetzt? Ich bemerke ihn nicht.«
 
»Hier bin ich,« antwortete der Kantor hinter einem Baum hervor.
 
»Schön! Sagen Sie mir doch um aller Welt willen, wie es Ihnen einfallen konnte, sich von unserm Lagerplatze zu entfernen!«
 
»Ich wollte Wasser holen, Herr Shatterhand.«
 
»Wasser! Hier unten vom Flusse?«
 
»Ja.«
 
»Sollte man so etwas für möglich halten! War denn Ihr Durst gar so groß, daß Sie ihn nicht bis morgen früh bezwingen konnten?«
 
»Aber nicht für mich.«
 
»Für wen denn?«
 
»Für meinen guten Freund Herrn Hobble-  Frank. Er klagte über Durst, und ich hatte mich mit ihm im Streite überworfen; das wollte ich wieder gut machen, indem ich ihm behilflich war, seinen Durst zu löschen.«
 
»Welch ein Unsinn! Eines ganz und gar albernen Zankes wegen haben Sie unser aller Leben in Gefahr gebracht! Wahrlich, wenn wir uns nicht hier mitten in der Wildnis befänden, würde ich Sie auf der Stelle fortjagen. Das kann ich aber leider nicht, weil Sie da unbedingt zu Grunde gehen würden.«
 
»Ich? Glauben Sie das ja nicht! Wer eine so hohe, künstlerische Mission zu erfüllen hat, wie die meinige ist, welche zwölf volle Akte betragen wird, der kann nicht zu Grunde gehen.«
 
»Lassen Sie sich doch nicht auslachen! Ich werde Sie in Zukunft des Abends anbinden müssen, damit Sie keine ferneren Dummheiten machen können. Und an dem ersten zivilisierten Ort, den wir erreichen, lasse ich Sie sitzen. Dann dürfen Sie meinetwegen nach Stoff für Ihre berühmte Oper suchen, bei wem und so viel Sie wollen. Ist es Ihnen denn gelungen, den Fluß hier unten zu erreichen?«
 
Der Emeritus verneinte und berichtete seine Festnahme, wie es ihm ergangen, bis zu dem Umstande, daß er Poller sein Messer geliehen habe.
 
»Alle Wetter!« rief Old Shatterhand, »ist dieser Mann ein Unglücksrabe, da müssen wir schnell dafür sorgen, daß sie uns nicht entkommen. Ich werde es wagen, an das Feuer zu gehen, um sie wieder zu binden. Ich will dabei nur hoffen, daß es den Nijoras nicht einfällt, mich -   -   -  «
 
Er wurde durch ein lautes Geschrei unterbrochen, welches die Nijoras in diesem Augenblicke erhoben. Als er nach dem Feuer blickte, sah er die Ursache desselben. Nämlich Poller, Buttler und der Oelprinz hatten sich plötzlich von ihren Plätzen erhoben und rannten fort, dorthin, wo sich die Pferde der Indianer befanden.
 
 
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