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Werke von Karl May

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Der Ueberfall
Die Bonanza of Hoaka
 
 

Am Petroleumsee 

andern Westmännern sah man keine Niedergeschlagenheit an; die deutschen Auswanderer jedoch blickten ängstlich um sich her, und noch niedergedrückter sahen ihre Frauen aus, welche alle Mühe hatten, das Weinen der Kinder zu unterdrücken. Eine Ausnahme machte Frau Rosalie Ebersbach, welche auch gebunden war, aber in ihren Fesseln stolz einherschritt und mit geradezu herausfordernder Miene um sich blickte.
 
Dem Kantor mochte jetzt doch endlich ein Licht über den Fehler aufgehen, den er begangen hatte; sobald er die Situation einigermaßen übersah, trat er auf Old Shatterhand zu und sagte -  
 
»Herr Franke klagte über Durst; darum kletterte ich hier herunter, um ihm heimlich eine Freude -   -   -  «
 
»Schweigen Sie!« herrschte ihn der Jäger an und wendete sich von ihm ab.
 
Einige Indianer nahmen den Emeritus zwischen sich, denn er sollte nicht mit seinen Reisegefährten sprechen. Die Nijoras bildeten einen Kreis um die Gefangenen; ihr Häuptling stand mit den bedeutendsten Kriegern in demselben und ergriff nun das Wort, indem er sich an Winnetou wendete:
 
»Winnetou, der Häuptling der Apachen, ist gekommen, uns zu töten; er wird dafür am Marterpfahle sterben müssen.«
 
»Pshaw!«
 
Nur dieses eine Wort antwortete der Apache; dann setzte er sich nieder. Er war zu stolz, sich zu verteidigen. Der Häuptling zog die Brauen zornig zusammen und richtete sein Wort nun an Old Shatterhand:
 
»Die weißen Männer werden alle mit dem Apachen sterben müssen; das Kriegsbeil ist ausgegraben und sie haben uns töten wollen.«
 
»Wer hat das gesagt?« fragte Old Shatterhand.
 
»Dieser Mann.«
 
Dabei zeigte er auf den Kantor.
 
»Er spricht eine Sprache, welche du nicht verstehst; wie hast du da mit ihm reden können?«
 
Der Häuptling deutete auf Poller und antwortete:
 
»Durch diesen, welcher den Dolmetscher gemacht hat.«
 
»So ist der Dolmetscher ein Lügner und Fälscher gewesen. Du weißt, wer ich bin. Darf jemand Old Shatterhand einen Feind der roten Männer nennen?«
 
»Nein; aber jetzt ist der Kampf ausgebrochen, und ein jedes Bleichgesicht ist unser Feind.«
 
»Auch ohne euch beleidigt zu haben?«
 
»Ja.«
 
»Gut, so wissen wir, woran wir sind! Schau diese drei Bleichgesichter, welche du vor uns gefangen hast; sie sind Lügner, Betrüger, Diebe und Mörder. Nur um sie zu ergreifen, sind wir in diese Gegend gekommen, nicht um euch zu belästigen oder gar zu bekämpfen. Gib sie heraus, so ziehen wir weiter, ohne uns in eure Angelegenheiten zu mischen!«
 
»Uff! Ist Old Shatterhand plötzlich ein Kind geworden, daß es ihm in den Sinn kommt, ein solches Verlangen an uns zu stellen? Diese Bleichgesichter sollen wir ihm ausliefern? Sie gehören uns, sollen unsern Siegeszug schmücken und dann am Marterpfahle sterben. Dasselbe soll mit Old Shatterhand geschehen und allen, die jetzt mit ihm von uns ergriffen worden sind. Welcher Häuptling der roten Männer gibt solche Gefangenen heraus! Und wenn ich es thun wollte, würde Old Shatterhand noch viel mehr von uns verlangen.«
 
»Was?«
 
»Wir haben eure Pferde erbeutet und alles, was ihr bei euch hattet. Das gehört nun uns. Das köstlichste aber, was wir erhalten haben, ist Winnetous Silberbüchse, dein berühmter Bärentöter und das Zaubergewehr, mit welchem du, ohne laden zu brauchen, so viele Male schießen kannst, wie du willst. Würdest du nicht das alles von uns fordern, wenn wir euch ziehen ließen?«
 
»Allerdings.«
 
»So siehst du, daß ich recht hatte. Wir geben die Beute nicht heraus und werden auch euch festhalten, denn euer Tod am Marterpfahle wird unsern Stamm berühmter machen, als jemals ein Stamm der roten Männer gewesen ist, und wir werden nach unserm Tode in den ewigen Jagdgründen zu den obersten der Seligen gehören, weil eure abgeschiedenen Seelen uns dort bedienen müssen.«
 
Old Shatterhand machte trotz seiner enggefesselten Hände eine geradezu unnachahmlich stolze Armbewegung und fragte:
 
»Pshaw! Ist dies dein fester Entschluß?«
 
»Ja.«
 
»Aber wir sind nicht eure Feinde!«
 
»Wir halten euch dafür, folglich seid ihr es!«
 
»So hast du gesprochen, und ich werde auch mein letztes Wort sagen. Höre es: Ihr könnt uns nicht festhalten und werdet auch die Beute herausgeben. Unsre Seelen werden die eurigen nicht bedienen, denn wenn es uns beliebt, senden wir euch jetzt, in diesem Augenblicke, in die ewigen Jagdgründe, wo ihr dann uns bedienen müßt, anstatt wir euch. Ich habe gesprochen.«
 
Er wollte sich abwenden; da trat der Häuptling ihm um einige Schritte rasch näher und herrschte ihn an:
 
»Wagst du, so mit mir, dem obersten Häuptlinge der Nijoras zu reden! Seid ihr unsre Gefangenen oder sind wir die eurigen? Zähle deine Leute; sie sind gefesselt und nur wenige Männer; wir aber sind frei, bewaffnet und zählen über dreimal zehn mal zehn tapfere Krieger!«
 
»Pshaw! Old Shatterhand und Winnetou sind nicht gewöhnt, ihre Feinde zu zählen, und ob wir gefesselt sind oder nicht, das ist uns gleich. Wir haben nicht eure Feinde sein, sondern friedlich von euch ziehen wollen; du aber hast uns die Feindschaft aufgezwungen. Wohlan, wir nehmen sie an. Das Kriegsbeil mag ausgegraben sein zwischen mir und dir, zwischen uns und euch. Nicht die Zahl der Köpfe oder die gefesselten Hände werden entscheiden, sondern die Vortrefflichkeit der Waffen und die Macht des Geistes!«
 
Er warf einen kurzen Blick auf Winnetou und dieser neigte zustimmend, doch kaum bemerkbar, das Haupt. Die beiden verstanden sich ohne Worte. Der Häuptling der Nijoras beachtete dies in seinem Zorne nicht; er rief mit vor Wut bebender Stimme.
 
»Wo sind eure Waffen und
 
 
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