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Werke von Karl May

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Am Petroleumsee 

»Weil sie nicht begreifen können, daß ein vernünftiger Mensch über das Meer und nach dem wilden Westen gehen kann, nur um über die Leute, welche er da sieht, Musik zu machen.«
 
»Musik zu machen? Bitte sehr, Herr Poller; Sie bedienen sich da eines vollständig falschen Ausdruckes. >Musik macht< ein Bierfiedler oder Leierkastenmann; ich aber bin Komponist; ich werde eine Heldenoper von zwölf Akten komponieren, und Sie werden die Ehre haben, in derselben auch mit vorzukommen.«
 
»Danke sehr, und bitte, mich dabei auszulassen! Uebrigens haben die Indsmen gar nicht so sehr unrecht; denn wenn ich aufrichtig sein will, so muß ich Ihnen sagen, daß Sie allerdings einen Klapps zu haben scheinen, und zwar einen nicht sehr kleinen.«
 
»Wie? Meinen Sie das wirklich?«
 
»Ja; aber Sie brauchen es mir nicht übel zu nehmen, denn bei den Indianern ist es eine Ehre, für verrückt gehalten zu werden.«
 
»Danke für die Ehre; danke sehr! Lieber will ich doch wie Sie gefesselt an der Erde liegen, aber für einen vernünftigen Menschen gehalten werden. Sagen Sie das dem Häuptling!«
 
»Fällt mir nicht ein. Der Umstand, daß Sie sich frei bewegen dürfen, kann uns von außerordentlichem Nutzen sein. Mißbrauchen Sie ihn aber nicht und kommen Sie ja nicht auf den Gedanken, sich zu entfernen! Man würde Sie auf der Stelle töten.«
 
»Pah! Das fällt keinem Menschen ein. ich stehe unter dem Schutze der Kunst.«
 
»Lassen Sie doch, zum Kuckuck, Ihre Kunst aus dem Spiele! Denken Sie von sich meinetwegen, was Sie wollen; aber denken Sie dabei auch an diejenigen, denen Sie nützlich sein können! Sehen Sie, wie der Häuptling nach uns sieht, wie er uns beobachtet? Wir dürfen nicht zu viel miteinander reden, sonst schöpft er Verdacht. Passen Sie später ein wenig auf mich auf. Wenn ich Ihnen winke, so habe ich Ihnen etwas mitzuteilen. Da nähern Sie sich mir so unbefangen wie möglich, sehen mich gar nicht an und bleiben in meiner Nähe stehen, bis Sie gehört haben, was ich Ihnen mitteilen will. Es wird das von großem Nutzen für Ihre Freunde sein. Wollen Sie das?«
 
»Ganz gern, Herr Poller. Wir Jünger der Kunst leben zwar in höhern Regionen und gehören später der Nachwelt und der Geschichte an; aber ich bin keineswegs stolz darauf, und wenn ich im gewöhnlichen Leben einem Menschen nützlich sein kann, so weigere ich mich keinesfalls, von meiner Höhe herniederzusteigen.«
 
Poller wäre am liebsten recht grob geworden, hielt es aber für geraten, sich zu beherrschen und sagte:
 
»Man hat Sie entwaffnet; sehen Sie doch zu, heimlich, recht heimlich zu einem Messer zu kommen! Ich hoffe doch, daß Sie pfiffig genug sind, mir diesen Wunsch zu erfüllen?«
 
»Pfiffig? Na, und ob! Ein Komponist ohne Pfiffigkeit ist eine absolute Unmöglichkeit. Wozu aber wollen Sie denn das Messer haben?«
 
Diese Frage war nun freilich kein Beweis von Pfiffigkeit, das hätte Poller ihm gar zu gern gesagt; aber er befürchtete, ihn damit zu beleidigen und gab ihm also die Auskunft:
 
»Um mich und Ihre Gefährten zu befreien.«
 
»Die sind doch nicht gefangen!«
 
»Das weiß ich sehr wohl; aber man weiß doch nicht, was geschehen kann. Ich habe dem Häuptling vollständig falsch berichtet, dennoch kann der kleinste Zufall seine Späher auf die richtige Spur bringen. Dann ist es sehr leicht möglich, daß Ihre Freunde ergriffen werden,
 
 
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