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Werke von Karl May

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Am Petroleumsee 

»Uff, uff, uff! Das sind lauter berühmte Namen. Diese Männer sind zwar nie unsre Feinde gewesen, aber jetzt, wo der Tomahawk des Krieges ausgegraben ist, muß man zehnfach vorsichtig sein, Ich will wissen, wo sie sich befinden. Aber hüte dich, mir eine Lüge zu sagen! Sobald eine Unwahrheit aus deinem Munde kommt, seid ihr verloren.«
 
»Sorge nicht! Du hast uns feindlich behandelt; aber ich werde dir trotzdem beweisen, daß wir eure Freunde sind. Ich kann dir diesen Beweis sogar schon jetzt gleich liefern, indem ich dir sage, daß wir uns bemüht haben, diese weißen Krieger für euch unschädlich zu machen.«
 
»Wie könntet ihr dies angefangen haben?«
 
»Wir haben sie in das Pueblo des Häuptlings Ka Maku gelockt.«
 
»Uff! Ka Maku ist unser Bruder. Sind sie zu ihm gekommen?«
 
»Ja. Er hat sie alle gefangen genommen, die weißen Jäger, die Auswanderer und ihre Frauen und Kinder.«
 
»Auch diesen wahnsinnigen Mann hier?«
 
»Ja.«
 
»Und jetzt befindet er sich bei uns! Er kann den weiten Weg unmöglich allein gemacht haben. Ich muß wissen, welche Leute bei ihm sind und wo sich dieselben in diesem Augenblicke befinden.«
 
»Soll ich ihn fragen?«
 
»Ja. Doch hüte dich, mich betrügen zu wollen! Was du mir auch sagen magst, ich werde dir kein Wort eher glauben, als bis ich mich von der Wahrheit desselben überzeugt habe.«
 
Nun wendete sich Poller an den Kantor und forderte ihn auf zu erzählen.
 
Nach einigem Widerstreben berichtete dieser, ohne daran zu denken, wie Poller gehandelt hatte und daß er ihn als Feind zu betrachten habe. Der frühere Führer der Auswanderer hörte mit Staunen von Old Shatterhand und Winnetou. Die Erzählung des Emeritus wurde von dem Häuptling unterbrochen, welcher mißtrauisch war und das lange Zwiegespräch, von welchem er kein Wort verstand, nicht dulden wollte. Poller aber beruhigte ihn mit der Versicherung:
 
»Ich erfahre da Dinge, welche für dich sehr wichtig sind. Ich muß diesen Verrückten ausfragen, was lange Zeit erfordert, weil sein Verstand nicht mehr ganz bei ihm ist. Laß mich also nur sprechen; du wirst dann später sehen, daß ich jetzt als Freund von euch handle.«
 
Endlich war der Kantor mit seiner Erzählung fertig; Poller wußte alles und wendete sich an den Häuptling:
 
»Das Wichtigste sollst du gleich zuerst erfahren: Da oben auf der Höhe befinden sich die zwei berühmtesten Männer des wilden Westens. Wirst du erraten, wen ich meine?«
 
»Etwa Old Shatterhand?«
 
»Ja.«
 
»Und Winnetou, der Häuptling der Apachen?«
 
»Auch dieser.«
 
»Uff, uff! Du redest die Wahrheit?«
 
»Es ist so, wie ich sage. Sie sind gekommen, euch zu überfallen.«
 
»Da werden sie sterben müssen. Woher kommen sie, wo stecken sie, und wie viele Leute sind bei ihnen?«
 
Poller gab ihm genaue Auskunft, denn es fiel ihm gar nicht ein, den Häuptling zu belügen und irre zu führen. Er rechnete auf die Dankbarkeit der Roten. Die hervorragendsten Krieger derselben standen in der Nähe und hörten Pollers Worte. Als dieser mit seinen Mitteilungen zu Ende war, blickte der Häuptling eine Zeit lang sinnend vor sich nieder und sagte dann, zu den Indianern gewendet:
 
»Meine Brüder haben gehört, was dieses Bleichgesicht gesprochen hat. Aber die Zungen der Weißen haben zwei Spitzen, von denen die eine mit Trug und die andre mit Falschheit endet. Wir müssen uns überzeugen, ob unsre Ohren die Wahrheit oder die Lüge vernommen haben. Es mögen also Kundschafter, die ich jetzt auswählen werde, zur Höhe steigen.«
 
Er ging von Feuer zu Feuer, um die Krieger zu bezeichnen, welche er für befähigt hielt, Leute wie Winnetou und Old Shatterhand zu beschleichen; dann sah man diese, nur mit ihren Messern bewaffnet, sich vorsichtig entfernen. Hierauf kam der Häuptling zu Poller zurück und sagte, auf den Kantor zeigend:
 
»Da dieses Bleichgesicht von einem Geiste, welcher nichts verlangt, als singen zu dürfen, besessen ist, so soll ihm von uns nichts Böses geschehen. Er wird ungefesselt hin und her gehen können, wie es ihm beliebt; aber sobald es ihm einfallen sollte, zu entfliehen, bekommt er eine Kugel. Sag' ihm das!«
 
Poller gehorchte natürlich. Als der Emeritus es hörte, sagte er in triumphierendem Tone:
 
»Sehen Sie, daß ich recht hatte? Für einen jünger der Kunst gibt es keine Gefahr; die Musen beschützen mich. Merken Sie sich, daß wir Komponisten keine gewöhnlichen Menschen sind!«
 
Poller ärgerte sich über dieses große Selbstbewußtsein und antwortete also:
 
»Von Ihren Musen kann hier keine Rede sein. Ja, Sie stehen unter einem besondern Schutze, aber unter einem ganz andern.«
 
»So? Unter welchem denn?«
 
»Unter dem der Verrücktheit.«
 
»Ver -   -   rückt -   -   heit?« dehnte der Musikbeflissene. »Darf ich fragen, wie Sie das meinen?«
 
»Warum nicht? Kein Indianer thut einem Wahnsinnigen etwas zu leide; darum können Sie hier fast ganz frei spazieren gehen.«
 
»Wahnsinnig? Spazieren gehen? Sie wollen doch nicht etwa sagen, daß -   -   -  «
 
Er sah dabei Poller starr in das Gesicht.
 
»Ja, grad das will ich sagen,« nickte dieser.
 
»Daß -   -   daß ich für wahnsinnig gehalten werde?«
 
»Gewiß, ganz gewiß ist das der Fall!«
 
»Wie, was? Ist das möglich? Diese roten Leute halten mich für wahnsinnig!«
 
»Ja, für verrückt, für vollständig verrückt.«
 
»Aber warum denn, aus welchem Grunde denn?«
 
 
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