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Werke von Karl May

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Am Petroleumsee 

worden ist, so möchte man doch wohl fragen, wie dieser hochinteressante und unbegreifliche Fall zu erklären ist. Die Antwort werdet Ihr da in der Höhle finden. Geht hinein, Mr. Rollins.«
 
»Das werde ich; das werde ich!« rief der Bankier aus. »Es kommt mir ein Gedanke, der so außerordentlich ist, daß ich ihn gar nicht auszudenken vermag. Kommt mit, Mr. Baumgarten! Ihr seid bisher mein Gefährte gewesen und müßt auch jetzt, in diesem Augenblicke, bei mir sein.«
 
Er zog den Buchhalter von seinem Sitze empor und verschwand mit ihm in der Höhle. Die außerhalb derselben Befindlichen horchten. Es waren einige Rufe zu hören; dann vernahm man das Zusammenstoßen und Rollen von Fässern; hierauf stürzte der Bankier heraus und rief in großer Aufregung:
 
»Welch ein Schwindel! Welch ein raffinierter Betrug! Das Oel ist in diese Gegend transportiert worden, um mir mein Geld abzulocken!«
 
»Seht Ihr das nun ein?« fragte ihn Old Shatterhand. »Was habt Ihr denn in der Höhle gefunden?«
 
»Eine ganze Menge leerer Petroleumfässer.«
 
»Weiter nichts?«
 
»Einige Werkzeuge, weiter nichts. Es ist gar keine Quelle vorhanden!«
 
»So ist es, Sir. Gleich als ich die Kerls von dem Oele, welches hier gefunden worden sein sollte, sprechen hörte, war ich überzeugt, daß dies ein Schwindel sei. Buttler und Poller sind nicht vorausgeschickt worden, um die Sicherheit des Weges zu erforschen, sondern um die Fässer auslaufen zu lassen und sie dann wieder in der Höhle zu verbergen. Der Betrug ist mit vieler Mühe und von langer Hand vorbereitet worden, denn es will etwas sagen, so gegen vierzig schwere Oelfässer nach und nach hierher zu schaffen.«
 
»Sind aber auch gut bezahlt worden, hihihihi,« lachte Sam Hawkens. »Wollt Ihr das Oel ausschöpfen und wieder hineinfüllen, oder nur die leeren Fässer mitnehmen, Mr. Rollins?«
 
»Lacht mich nicht auch noch aus!« rief dieser. »Mein Geld, mein schönes, schönes Geld! Ich muß es unbedingt wieder haben. Ihr müßt mir dazu verhelfen, Mr. Shatterhand!«
 
»Einstweilen handelt es sich nicht um das Geld, sondern um die Anweisung,« antwortete der Jäger. »Meint Ihr, daß dieselbe in San Francisco wirklich honoriert wird?«
 
»Ganz gewiß, wenn es den Kerls gelingt, den Indianern zu entkommen und Frisco zu erreichen. Ihr machtet doch vorhin während meiner Erzählung die Bemerkung, daß sie von den Nijoras gefangen genommen worden seien?«
 
»So ist es. Erst wurden sie von den Navajos überfallen und dann mit diesen von den Nijoras ergriffen.«
 
»Wahrscheinlich haben diese die Weißen beraubt. Meint Ihr nicht, Sir?«
 
»Jedenfalls.«
 
»Und also dem Oelprinzen die Anweisung abgenommen? In diesem Falle würde sie wahrscheinlich nicht präsentiert.«
 
»Ich glaube auch, daß dies nicht geschehen würde, möchte aber behaupten, daß sie ihm den Zettel nicht nehmen. Es gibt ja Indianerstämme, welche in der Zivilisation so weit vorgeschritten sind, daß sie lesen und sogar schreiben können, zu diesen gehören aber die hiesigen Völker nicht. Der wilde Indianer hält jede Schrift für einen Zauber, mit dem er sich nicht befassen mag; darum ist es wahrscheinlich, daß die Nijoras dem Oelprinzen die Anweisung lassen. Gelingt es ihm, ihnen zu entkommen, so wird er ganz gewiß nach Frisco gehen und das Geld erheben.«
 
»So wäre es am besten, ihm zuvorzukommen. Was meint Ihr dazu, Sir, daß ich mich mit Mr. Baumgarten sofort nach San Francisco aufmache, um die dortige Bank zu verständigen? Wenn der Halunke dann kommt, wird er festgenommen.«
 
»Unter den jetzigen und hiesigen Verhältnissen werdet Ihr das am liebsten bleiben lassen. Ihr würdet nicht weit kommen. Es wäre übrigens auf keinen Fall nötig, die weite Reise nach San Francisco zu machen, sondern es genügte jedenfalls, nur nach Prescott zu gehen, die dortige Behörde zu verständigen und von da aus die betreffende Bank durch die Post unterrichten zu lassen.«
 
»Richtig, sehr richtig! Also gehen wir nach Prescott!«
 
»Nicht so eilig, Mr. Rollins 1 Von hier nach Prescott hättet Ihr wenigstens zehn Tage zu reiten, da die Entfernung in der Luftlinie ungefähr fünfzig geographische Meilen betragen wird. Und, was die Hauptsache ist, kennt Ihr denn den Weg?«
 
»Nein. Vielleicht hätte einer von euch, der ihn kennt, Lust, gegen eine gute Bezahlung mit uns zu gehen.«
 
»Es ist wohl keiner unter uns, der den Lohnführer machen würde. Es ist auch zu bedenken, daß der Weg nach Prescott durch Gegenden geht, welche bei den jetzigen Verhältnissen nicht nur unsicher, sondern sogar gefährlich genannt werden müssen. Drei Personen, ihr beide und ein Führer? Selbst wenn er ein tüchtiger Mann wäre, stände zu erwarten, daß ihr nicht lebendig an das Ziel gelangen würdet.«
 
 
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