|
| Werke von Karl May |
|
|
| Der Schatz im Silbersee |
|
|
| Das Vermächtnis der Inkas |
|
|
| Der Ölprinz |
|
|
| Der schwarze Mustang |
|
|
|
|
|
| |
Am Petroleumsee
Eingange begann und wie eine gerade gezogene Schnur nach dem Felsblock führte.
»Dieser Strich ist die Fährte, welche die beiden Roten gemacht haben,« erklärte Grinley seinen Begleitern. »Sie sind von Süden her hereingekommen und werden, wenn sie sich ausgeruht haben, nach Norden hinausreiten.«
»Da können wir aber doch nicht weiter, nicht hinab!« bemerkte der Bankier besorgt. »Seit unsrer Gefangenschaft im Pueblo traue ich keinem Indsman mehr. Wer mögen die beiden sein?«
»Ich kenne sie und weiß sogar den Namen des einen. Es ist Mokaschi, der Häuptling der Nijoras.«
»Was bedeutet dieser Name?« erkundigte sich der Buchhalter.
»Mokaschi heißt Büffel. Der Häuptling war, als die Bisons noch in großen Herden durch die Savannen und über die Pässe zogen, ein berühmter Büffeljäger. Daher sein Name.«
»Wenn Ihr ihn kennt, so kennt er vielleicht auch Euch?«
»Ja, denn ich bin früher einige Male bei seinem Stamme gewesen.«
»Wie ist er Euch gesinnt?«
»Freundlich, wenigstens früher, und diese Gesinnung wird sich in Friedenszeiten auch nicht ändern. Jetzt aber ist das Beil des Krieges ausgegraben, und da darf man nicht trauen.«
»Hm, was ist da zu thun?«
»Weiß wirklich nicht. Reiten wir vollends hinab, so empfängt er uns vielleicht freundlich, vielleicht auch nicht. Auf alle Fälle aber erfährt er unsre Anwesenheit, die ihm besser verborgen bleiben sollte.«
»Können wir ihm denn nicht auf einem Umwege ausweichen?«
»Allerdings; aber dieser Umweg würde so bedeutend sein, daß wir heut nicht an unsern Petroleumsee gelangten. Noch viel weniger würden wir auf Buttler und Poller treffen, die uns wahrscheinlich entgegengeritten kommen. Es ist wirklich höchst fatal, daß diese beiden Nijoras gerade hier - - - halt,« unterbrach er sich, »was ist denn das?«
Er sah etwas, was die drei Beobachter in die höchste Spannung versetzen mußte. Es erschienen nämlich am südlichen Eingange, woher die Spur der Nijoras kam, zwei Indianer, nicht beritten, sondern zu Fuße. Auch ihre Gesichter waren mit Kriegsfarben bemalt; der eine von ihnen trug eine Adlerfeder im Haare, war also nicht gerade ein hervorragender Häuptling, mußte sich aber durch seine kriegerischen Eigenschaften ausgezeichnet haben. Bewaffnet waren sie mit Gewehren.
»Sind das auch Nijoras?« fragte Rollins.
»Nein, sondern Navajos,« antwortete der Oelprinz leise, als ob die Roten ihn hören könnten.
»Kennt Ihr sie vielleicht?«
»Nein. Der mit der Feder ist ein noch junger Krieger, welcher diese Auszeichnung jedenfalls erst nach der Zeit, in welcher ich zum letzten Male bei den Navajos war, erhalten hat.«
»Alle Donner! Sie legen sich ins Gras. Warum thun sie das?«
»Erratet ihr das nicht? Sie sind ja Feinde der Nijoras. Hier treffen Kundschafter beider Stämme zusammen. Das gibt Blut! Die Navajos sind auf die Spur der Nijoras gestoßen und ihnen heimlich gefolgt bis hier ins Thal herein. Paßt auf, was geschehen wird!«
Er zitterte vor Aufregung, und seinen beiden Begleitern ging es ebenso; der Platz, auf welchem sie standen, lag so, daß sie den Vorgang beobachten konnten, ohne gesehen zu werden.
Die zwei Navajos krochen langsam auf den Spitzen der Hände und Füße auf der Fährte der Nijoras nach dem Felsenblocke hin.
»Alle Teufel!« meinte der Oelprinz. »Mokaschi und sein Begleiter sind verloren, wenn sie nur noch eine Minute sitzen bleiben!«
»Herrgott!« fragte der aufgeregte Buchhalter. »Können wir die Blutthat nicht verhüten?«
»Nein, nein - - und - - aber - - ja,« antwortete Grinley mit fliegendem Atem - - »benutzen müssen wir die Sache.«
Die beiden Navajos befanden sich noch zehn Schritte vom Felsblocke entfernt. Erreichten sie ihn, so war es um die Nijoras, welche hinterrücks überfallen wurden, geschehen.
»Benutzen? Wieso?« erkundigte sich der Bankier, der kaum zu atmen wagte.
»Sollt es sofort sehen.«
Er nahm sein Doppelgewehr mit einer schnellen Bewegung vom Sattel und legte es an.
»Um Gottes willen, Ihr wollt doch nicht etwa schießen!« wollte Baumgarten ihm sein Vorhaben vereiteln, aber da krachte auch schon der erste Schuß und eine Sekunde später der zweite. Der eine Navajo, welcher die Feder trug, wurde vom ersten Schusse in den Kopf getroffen und war sofort tot; den andern erreichte die zweite Kugel; er that einen Satz in die Luft, noch einen und brach dann zusammen.
»Herr, mein Gott! Ihr habt sie erschossen!« schrie Rollins vor Entsetzen laut auf.
»Zu meinem und Eurem Nutzen,« antwortete der Oelprinz in kaltem Tone, indem er das Gewehr absetzte und auf dem Felsen soweit vortrat, daß er von unten gesehen werden konnte.
Der Erfolg der beiden Schüsse auf die Nijoras war ein blitzschneller. Sie sprangen im ersten Schrecke aus ihrer sitzenden Stellung auf, warfen sich aber sofort wieder nieder, platt ins Gras, um ein so wenig wie möglich sichtbares Ziel zu bieten. Sie glaubten, die Schüsse seien auf sie gerichtet gewesen, denn sie konnten, da der Felsblock dazwischen lag, die beiden toten Navajos nicht liegen sehen. Da sie sich aber den, welcher geschossen hatte, hinter diesem Blocke dachten, so krochen sie langsam und vorsichtig am Fuße desselben hin, um die eine Ecke zu erreichen, von wo aus sie dann den oder die Schützen
|
|
|
| |
|